Ordnung, Produktivität und Zufriedenheit

Ordnung ist, wenn man nicht suchen muss.

Der Akt des Suchens ist uns Menschen so zuwider, dass wir sehr viel Zeit dafür aufbringen, Ordnung zu schaffen. Manche behaupten gar, die Hälfte unseres Lebens. „Ordnung ist das halbe Leben.“ Ich verstehe diesen Spruch nicht so, als müsse man das halbe Leben Ordnung halten sondern eher, dass man das halbe Leben verliert, wenn man keine Ordnung hält. Man ist einfach so lange beschäftigt mit Suchen.

Wir suchen nur ungern nach Objekten oder auch nach Antworten. Wir wünschen uns Ordnung in Dingen und Gedanken. Klarheit und Eindeutigkeit. Man braucht ein System, dem man vertrauen kann. Sei es ein Wochenplan aus Papier, ein Ringordner, ein Aktenschrank, ein digitaler Kalender oder andere Software auf dem Smartphone/Computer. Das Buch und die gleichnamigen Methode „Getting Things Done“ von David Allen ist an sich sehr empfehlenswert. Es war anstrengend das Buch durchzuarbeiten und wenn man diese Methode vollständig umsetzen möchte – und wenn man dies macht wird man wirklich produktiv und hat mehr Freizeit – dann muss man sich einem straffen Regime unterwerfen. Im Internet findet man reichlich Informationen dazu, wenn man nur nach „GTD“ sucht. Verschiedene Webseiten und Programme für Computer und Smartphone.

Die Kernideen sind psychologisch fundiert:

Projekte und Aufgaben differenzieren

Erkennen von größeren Projekten und deren Aufgaben, die es zu erledigen gibt. „Urlaub buchen“ ist ein Projekt mit dem die meisten etwas anfangen können. Jetzt kann man ein Projekt so groß fassen wie man möchte aber es sollte noch eine sinngemäße Einheit sein. „Urlaub machen“ wäre ein Projekt was beim Buchen startet und beim Auspacken Zuhause endet, also viel zu groß. „Urlaub buchen“ ist als Aufgabe sehr diffus, besteht selbst wiederum aus verschiedenen Aufgaben wie „Abklären, wohin es gehen soll“, „Abklären, was es kosten kann“, „Abklären, welcher Zeitraum geeignet ist“, „Angebote suchen“, „Angebote vergleichen“, „Glaubwürdigkeit des Anbieters überprüfen“, „Qualität des Hotels und Urlaubsorts überprüfen“ … Reichlich Aufgaben für das Projekt „Urlaub buchen“ die es erst einmal zu identifizieren gibt. Einzelne Aufgaben werden zu sinngemäßen Projekten geordnet. Es ist immer deutlich was ich wofür erledigen muss.

Aufgaben sammeln

Alle, aber auch wirklich alle, unerledigten Aufgaben/Projekte die einem im Kopf schwirren und an die man sich immer dann erinnert, wenn man sie gerade nicht erledigen kann, in ein System dem man vertraut schreiben. Aus dem internen System Kopf, in ein anderes System vollständig externalisieren. Es gibt keinen Unterschied zwischen privaten und geschäftlichen Aufgaben. Es gibt nur Aufgaben die man irgendwie bearbeiten will. Hiermit wird das Arbeitsgedächtnis entlastet, da man nicht immer wieder an unerledigte Aufgaben denken und sie im Gedächtnis halten muss. Es werden geistige Kapazitäten frei, die man für andere Aufgaben nutzen kann, wenn man sich denn nicht einfach durch die neu gewonnene geistige Freiheit entspannen möchte.

Kontext hinzufügen

Man hat nun Projekte und dazu reichlich Aufgaben. Es ist eine kognitive Erleichterung, wenn man an Aufgaben in dem Kontext denkt, in dem man sie tatsächlich erfüllen kann. Mir hilft es wenig mich im Supermarkt von meinem Smartphone daran erinnern zu lassen, dass ich noch eine wichtige E-Mail schreiben muss. Viel hilfreicher wäre es, wenn ich daran erinnert werden würde, wenn ich sowieso am Computer sitze. Dieses Konzept ist in der Psychologie als „scaffolding“ bekannt und beschreibt ein hilfestellendes Gerüst beim Lernen und Arbeiten. Alle Aufgaben die zwangsläufig zu irgendwelchen Projekten gehören werden mit einem Kontext markiert damit man sie wiederfindet und erledigen kann, wenn man sich gerade in diesem Kontext befindet. Hier wird gerne die Schreibweise @Computer, @Telefon oder @Institut  etc. verwendet.

Workflow

Das ist das Kernstück von GTD welches man immer wieder online findet ohne nähere Erklärungen: Kurz gesagt kann man mit Aufgaben die man als „actionable“ (man kann etwas damit machen) identifiziert hat auf dreierlei Weise umgehen:

  1. Sofort erledigen wenn es weniger als 2 Minuten dauert.
  2. Delegieren und mit „warten auf“ markieren, damit man weiß, dass man noch auf etwas wartet.
  3. Verschieben und es später wieder hervorholen.

Natürlich kann man auch Aufgaben einfach wegwerfen und erledigtes archivieren, falls man noch einmal darauf zugreifen möchte. Die Idee ist hier ähnlich der Eisenhower-Methode in der man Aufgaben in einem Vierfelderschema dringend/nicht dringend und wichtig/nicht wichtig einordnet und dementsprechend prioritisiert und abarbeitet.

 

Ob man nun diese Methode tatsächlich voll durchzieht, bleibt einem selbst überlassen. Es ist jedoch wirklich aufwendig, wöchentlich alle Aufgaben und Listen durchzugehen und wirklich alles zu erfassen. Für denjenigen, der das wirklich leisten kann und möchte, führt es zu mehr Produktivität und mehr Freizeit und Zufriedenheit. Man kann sich gut ein paar Aspekte aus der Methode herauspicken ohne gleich alles straff umsetzen zu müssen. Aufgaben die man innerhalb von 2 Minuten sofort erledigen kann, sofort zu erledigen, weil die Erinnerung daran mehr Zeit frisst, als die tatsächliche Erledigung, ist beispielsweise sehr ratsam. Ich fand auch den Gedanken hilfreich, dass es kein „Zeitmanagement“ als solches gibt sondern nur ein „Aufgabenmanagement“, da Zeit einfach vergeht und man sie nicht managen kann.

Bei so vielen Aufgaben fragt man sich, was man denn noch alles tun muss. Man muss dieses tun, man muss jenes tun. Man spricht immer vom Müssen aber nie vom Wollen.

Es gibt kein Müssen, es gibt nur Wollen.

Ich muss keine Aufgabe erledigen, selbst wenn mir jemand eine Pistole an den Kopf hält. Ich will in diesem Fall eine Aufgabe erledigen, weil ich die anderweitigen  Konsequenzen vermeiden möchte. Letztlich die Anwendung von psychologischen Verhaltensmodellen wie dem SORKC-Modell oder dem SOEVK-Modell. Wenn man das eigene Denken von Müssen zu Wollen umstellt, dann fällt einem die Erledigung von – vor allem unliebsamen – Aufgaben leichter. Niemand kann einen zwingen etwas zu tun, man denkt kurz über den Grund nach, warum man es vielleicht doch tun sollte und entscheidet sich freiwillig dafür oder dagegen. Aufgaben werden somit weniger als extern aufgedrückt sondern viel mehr als intern ausgewählt angesehen. Die Erfüllung fällt einem wesentlich leichter.

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Facebook für Wissenschaftler

Wissenschaftler weltweit online zu vernetzen könnte den Wissensaustausch und die Kollaboration verbessern und erleichtern. So könnte schneller, besserer Forschung geschaffen werden. Diese Idee eines „Facebook für Wissenschaftler“ gibt es bereits in mehrfacher Ausführung und darüber hinaus, gibt es auch Facebook selbst. Hier nenne ich kurz ein paar dieser Webseiten und Werkzeuge ehe ich das Potential von Google darstelle.

ResearchGate

Wohl die populärste Webseite dieser Art. Wissenschaftler können sich anmelden und pre-print Versionen ihrer Artikel hochladen, so dass diese auch legal von anderen Mitgliedern heruntergeladen werden können. Es gibt verschiedene Statistiken darüber, wie populär man aufgrund der publizierten Artikel ist. Wirklich kollaborativ arbeiten kann man hier nicht daher ist der einzige Nutzen dieser Seite die Vernetzung zu anderen Wissenschaftlern, die Artikel auf die man Zugriff bekommt und wen es interessiert, auch die Statistiken über die eigene Popularität.

Academia.edu

Wie ResearchGate.

Mendeley

Hat ähnliches vor wie ResearchGate und Academia.edu aber das Ganze rückwärts aufgezogen: Es hat als Literaturverwaltungsprogramm angefangen (ich erwähnte Zotero als nicht-proprietäre Alternative), in dem Individuen ihre Literatur verwalten können um sich dann automatisch korrekt formatierte Literaturangaben in ihren Manuskripten anzeigen zu lassen, anstatt diese händisch bearbeiten zu müssen. Stück für Stück wurde die Funktionalität erweitert und mittlerweile ist es auch ein Netzwerk zwischen Wissenschaftlern. Aber auch hier gibt es noch kein kollaboratives Arbeiten.

Publons

Publons ist noch kein Netzwerk wie die anderen bisher. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Funktionalität eingebaut wird. Hier geht es darum, dass man Anerkennung für die geleistete Arbeit als Gutachter bekommt. Publiziert man Artikel, wird man von den Verlagen eingeladen, Manuskripte von anderen Wissenschaftlern zu begutachten. Natürlich weiß man nicht, wer die Autoren der Manuskripte sind. Diese zeitintensive Tätigkeit wird von einem Wissenschaftler erwartet und es gibt keinerlei Vergütung hierfür. Publons möchte das ändern und dort kann man nachweislich darstellen, welche Artikel man begutachtet hat und wenn man möchte, auch wie das Gutachten aussah.
So etwas hat auch der Verlag Elsevier vor.

ORCID

An sich ein DOI für Wissenschaftler: Manchmal wechselt man den Nachnamen, manchmal wechselt man das Institut und manchmal heißt man einfach John Smith. Bei ORCID bekommt man eine eindeutige Nummer, die man mit den eigenen Publikationen in Verbindung bringen kann. So könnte man selbst Arbeitsplatz, Namen und Geschlecht wechseln und man würde immer noch ohne Mühen mit den früheren Artikeln in Verbindung gebracht werden können. Bisher ist dies nur eine Art kurzer Lebenslauf mit Publikationsliste aber auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Funktionen addiert werden. Das schöne an ORCID ist, dass es ein gemeinnütziges Unternehmen ist, welchen freien Zugriff für alle gewährt. Von Elsevier, dem Springer-Verlag und Publons weiß ich, dass diese sich bereits mit ORCID verknüpfen. Weitere werden folgen, wenn sie es nicht bereits tun.

Xing & LinkedIn

Auf der geschäftlichen Seite gibt es ähnlich Xing und LinkedIn. Wobei Xing in Deutschland wesentlich bekannter ist während LinkedIn eher die große internationale Bekanntheit hat. Für Wissenschaftler, die thematisch der Wirtschaft nahe sind, sind diese Netzwerke wesentlich nützlicher als alle anderen bisher genannten.
Es ist leider sehr mühselig, beide Netzwerke halbwegs ordentlich auf einem nützlichen Stand zu verwalten. Darüber hinaus finde ich beide Unternehmen recht dreist, was die die Premium-Mitgliedschaft angeht: Es ist nicht viel Geld was man dafür zahlen muss, denn irgendwie möchten diese Unternehmen auch Geld verdienen und ihre Server und Mitarbeiter bezahlen. Was mich stört ist, dass ich die rudimentärsten Funktionen kostenfrei bei Facebook bekomme hier jedoch bezahlen muss. Beispielsweise werde ich bei Xing mit einem kleinen Profilbild geteasert, wer mein Profil angeschaut hat aber wenn ich das kleine Profilbild des Besuchers anklicke, werde ich zur Kasse gebeten. Personensuche und Nachrichtenverschicken sind ebenfalls eingeschränkt. Wenn ich nicht schon mit einer kostenfreien Vernetzung vertraut wäre, die üblich ist im Internet, wäre es wohl nicht weiter aufgefallen, dass man hier für die gleiche Funktionalität Geld bezahlen muss.

Google

Google+ ist ein tristes, soziales Netzwerk. Das ist auch nicht die Stärke von Google, sondern die mächtigen Werkzeuge, die es zur Verfügung stellt, die nur über ein einfaches Profil miteinander verbunden werden müssten. Alle nötigen Werkzeuge, um wirklich kollaborative, wissenschaftliche oder allgemeine Planungs-, Organisations- und Dokumentationsarbeit zu leisten, sind bereits vorhanden:

  • Google Drive für die Dokumentenablage
  • Google Docs für die kollaborative Bearbeitung von Dokumenten
  • Google Calendar für die Terminierung (die Nützlichkeit eines digitalen Kalenders habe ich bereits erwähnt)
  • Google Keep für kollaborative Notizen und Ideensammlung (ein wirklich wunderbares Programm, was nicht annähernd populär genug ist!)
  • Google Scholar für die Literaturrecherche

Jetzt müsste Google nur nachziehen und das ganze sinngemäß miteinander verknüpfen. Wie ich es schon einmal beschrieben habe, würde ich mir wünschen, dass Google da ein wenig nachholt, insbesondere was Literaturmanagement angeht.

Die aktuelle Tätigkeit eines Psychologen

Meinen letzten Beitrag über den Alltag eines Psychologen haben erstaunlich viele Menschen gelesen, daher gehe ich hier einmal näher darauf ein, wie meine aktuelle Tätigkeit kurz vor der Fertigstellung meiner Doktorarbeit am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen aussieht.

Meine primäre Aufgabe besteht aktuell daraus, einen Mantel um meine Publikationen zu schreiben. Anders als bei einer Monographie, wo man die durchgeführten Studien und Erkenntnisse in einem langen Text von oben nach unten voll ausschreibt, handelt es sich bei mir um eine „pseudo-kumulative Dissertation“. Laut der Promotionsverordnung werden mindestens „zwei zur Veröffentlichung akzeptierte Manuskripte“ von mir verlangt, auf die ich in dem besagten Mantel hinführe und dann zusammenfassend diskutiere. Da bereits ein „Peer-Review“ der Artikel von unabhängigen Gutachtern stattgefunden hat und diesen somit ein gewisses Maß an Qualität bescheinigt wurde, muss ich keine lange Monographie schreiben, sondern hänge die von mir verfassten Artikel in den Anhang. Meine Artikel umfassen ein recht breites Spektrum der Psychologie: Der erste ist eher IT, der zweite ist eher Management und der dritte eher klassische Psychologie.

Glücklicherweise wurde bereits ein Artikel von mir in der Zeitschrift „Computers in Human Behavior“ publiziert, wo ich die Bedeutung von Informationsaustausch in computerunterstützten Verhandlungen hervorhebe und eine Möglichkeit aufzeige, wie dies ohne Vorwissen und ohne Training zu besseren Verhandlungsergebnissen führen kann.

Einen weiteres Manuskript habe ich bei „Group Decision and Negotiation“ eingereicht. Dort habe ich versucht einen Schritt weiter zu gehen und die Möglichkeiten einer computerunterstützten Verhandlung stärker zu nutzen und das Verhandlungsergebnis durch den Austausch detaillierterer Informationen – wieder ohne Vorwissen oder Training – weiter zu optimieren. Das hatte eine andere Wirkung als man meinen möchte: Mehr Computer und mehr Informationen haben die Verhandlungsergebnisse nicht verbessert. tatsächlich waren die Verhandlungspartner unzufriedener, unehrlicher und unfairer.
Ich warte dort auf die Antwort der Gutachter. Ganz selten hat man Glück mit den Gutachtern und sie sind hellauf begeistert von der eigenen Arbeit und winken das Manuskript quasi durch. Meistens sind die Gutachter sehr kritisch, haben aber mehr oder minder gute Einwände auf die man in irgendeiner Weise eingehen muss, damit das Manuskript als Artikel akzeptiert wird. Manchmal hat man aber auch einfach Pech und kommt an Gutachter (oder auch einen noch davor stehenden Assistenz-Editor, der die Gutachter aussucht) die nicht sehr gut gewählt worden sind. Diese haben wenig Ahnung vom Thema und dementsprechend vernichtend ist dann ihre Ablehnung des Manuskripts. Natürlich kann man auch einfach schlecht geschrieben haben, aber auf dem Niveau auf dem wir hier im Leibniz-Institut für Wissensmedien arbeiten, liegt es zumindest nicht an der Qualität der Forschung.

Ein drittes Manuskript liegt bei „Personality and Individual Differences“. Hier bin ich auf die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten eingegangen, die das individuelle Verhandlungsergebnis in einer computerunterstützten Verhandlung beeinflussen könnten. Interessanterweise spielen die eigenen Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten kaum eine Rolle für die Qualität des eigenen Verhandlungsergebnisses. Vom Verhandlungspartner hängt ab, wie gut das eigene Ergebnis ist. Ist er „gut“ ist das eigene Ergebnis gut. Ist er „schlecht“ ist das eigene Ergebnis schlecht.
Hier warte ich auch auf die Antwort der Gutachter. …Natürlich könnten die beiden Manuskripte von den Gutachtern abgelehnt werden. Das würde für mich bedeuten, die etwaigen Fehler auszubessern und dann die Manuskripte bei anderen internationalen Fachzeitschriften einzureichen.

Während also die für meine Dissertation nötigen Artikel entweder fertig sind oder zumindest bereits begutachtet werden, muss ich nun den Mantel drumherum schreiben, der meine Forschungsprojekte mit einem klaren, roten Faden, zu einem Paket schnürt. Das ist leider Gottes sehr zäh. Nicht nur das ich diese drei Artikel/Manuskripte habe, ich bin auch noch bei zwei Artikeln Coautor zum Thema Informationsaustausch zur computerunterstützten Lösung von Problemen. Diese zwei Artikel sind quasi die geistigen Eltern meiner Forschungsprojekte und spielen auch eine kleine Rolle in meiner Dissertation, die ich zumindest erwähnen werde. Darüber hinaus ist es echt anstrengend, wenn man jetzt zum vierten mal in Folge (drei Artikel und jetzt der Mantel) fast die selbe Literatur zitiert. Man formuliert immer und immer wieder die selben Inhalte um, so dass sie dem Anlass entsprechend passen. Ich werde nicht plötzliche Darwin oder Einstein zitieren, der Inhalt meiner Forschungsprojekte wird sich nicht plötzlich verändert haben.

Auf jeden Fall ist es sehr viel Kopfarbeit. Man kopiert einen Abschnitt aus einem der Artikel, fügt ihn in den Mantel ein. Dann schreibt man ihn um. Paar Stunden später liest man den umgeschriebenen Abschnitt und stellt fest, dass er nicht gut ist oder von der Struktur des Mantels an diese Stelle so nicht passt. Man löscht ihn wieder oder schreibt ihn nochmal um oder man schiebt ihn für später an eine andere Stelle im Mantel. Stück für Stück wird der Mantel vollständiger. Aber es ist wirklich zäh! Hinzu kommt, dass man der erste Mensch ist, der über das Thema seiner oder ihrer Dissertation schreibt. Es gibt nicht wirklich eine Vorlage an der man sich orientieren kann. Man erschafft auch hier etwas komplett neues in selbständiger Pionierarbeit.

Hauptsächlich arbeite ich an meinem Mantel aber darüber hinaus gibt es noch Nebenprojekte die ich mit bearbeite, diverse Meetings an denen ich teilnehmen muss, Weiterbildungen für die ich mich eingetragen habe und Lehre, die ich als Dozent an der International School of Management in Stuttgart vorbereiten muss.

Der Alltag eines Psychologen

Hier möchte ich einmal für Außenstehende beschreiben, wie der Alltag als Psychologe in einer Forschungseinrichtung aussieht. In einem Folgebeitrag gehe ich näher auf meine aktuelle Tätigkeit in etwas mehr Detail ein.

Begriffsabgrenzung

Ich habe schon beschrieben, dass es sich bei der Psychologie um eine Naturwissenschaft handelt und man sich dort viel mit der statistischen Auswertung von Daten beschäftigt. Darüber hinaus gibt es Schulpsychologen, Unternehmensberater und reichlich andere Stellen, bei denen fundiertes Wissen über menschliches Erleben und Verhalten notwendig ist. Das ist in der Regel aber nicht das, was sich die Allgemeinbevölkerung unter einem Psychologen vorstellt. Zumeist denken Menschen hier an einen Psychiater oder einen Psychotherapeuten, Begriffe, die synonym verwendet werden aber sich unterscheiden.

Psychiater

Ein Psychiater hat Medizin studiert und ist ein Arzt, der eine Weiterbildung im Bereich Psychiatrie gemacht hat. Als Mediziner darf dieser Medikamente verschreiben, was für viele psychische Krankheitsbilder durchaus notwendig ist wo auch eine stationäre Unterbringung Sinn hat. Vieles lässt sich nur medikamentös von einem Psychiater erfolgsversprechend behandeln wie z. B. Schizophrenie mit Wahnvorstellungen oder schwere Depressionen. Solch auffällige Personen bitte schnellstmöglich in eine psychiatrische Einrichtung bringen auch wenn es Überwindung kostet. Je eher diesen Menschen geholfen wird, desto eher geht es wieder weg bzw. desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder weitgehend weggeht. Unbehandelt wird es nur schlimmer! Eine mögliche Stigmatisierung „Er war in der Psychiatrie!“ ist ein sehr kleiner Preis für die seelische Integrität. 

Psychotherapeut

Ein Psychotherapeut ist ein Psychologe, der nach abgeschlossenem Studium eine Weiterbildung zum Therapeuten angehängt hat. Dieser darf (noch) keine Medikamente verschreiben kennt sich jedoch sehr genau mit psychischen Störungen, ihren Ursprung und ihrer Linderung aus. Hier gibt es verschiedene Schulen die entweder komplett überholt und nicht nachweislich wirksam sind, wie die Psychoanalyse, oder viele Wirksamkeitsnachweise vorlegen können, wie die Kognitive Verhaltenstherapie. Bei der Kognitiven Verhaltenstherapie zeigt eine junge Meta-Analyse (eine Auswertung verschiedenster Studien zu einem Thema um ein Gesamtbild zu bekommen), dass auch hier die Wirksamkeit langsam nachlässt und neuer Handlungsbedarf besteht, die Therapieform zu überholen.

Psychologe

Ein Psychologe ist in erster Linie ein Wissenschaftler, wobei dies auch von der jeweiligen Universität abhängt. Die Justus-Liebig-Universität Gießen legt sehr großen Wert darauf, dass es eine gnadenlos auf Wissenschaft ausgelegte Ausbildung gibt. Letztlich ist dies auch unsere Daseinsberechtigung: Ohne wissenschaftliche Fundierung, wären Psychologen nur Schwätzer. In vielen Teilen sind sie das leider auch! Denn A) war die wissenschaftliche Orientierung früher nicht sonderlich stark ausgeprägt und B) gibt es noch reichlich Universitäten, die es mit der Psychologie weiterhin nicht so wissenschaftlich halten. Letztere sind auf die Ausbildung von schwammigeren Psychotherapeuten ausgelegt, bei denen eine wissenschaftliche Basis nicht nur für den Beruf unnötig sondern auch unvorteilhaft wäre.

Psychologie in der Forschung

Um es kurz zusammenzufassen, besteht der Alltag eines wissenschaftlich arbeitenden Psychologen sehr viel aus Tippen. Wir denken nach, rechnen und dokumentieren Studien für die Veröffentlichung in internationalen Fachzeitschriften. Wer schon mal eine große Hausarbeit geschrieben hat wie z. B. Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit, der kann sich schon mindestens 50% der Tätigkeit eines wissenschaftlich arbeitenden Psychologen vorstellen. Das ganze aber natürlich wesentlich selbstständiger und ohne nähere Anleitungen. Das ist aber auch abhängig vom Forschungsinstitut, einer Universität und den einzelnen Abteilungen und Abteilungsleitern, wie viel Kontrolle aber auch Hilfestellung man erhält.

Die anderen 50% bestehen meistens aus Lehre, Weiterbildung, Konferenzen und der eigentlichen Konzeption, Erstellung und Durchführung von Studien.

Lehre – Häufig kommt es vor, dass man Studenten in Seminaren unterrichtet. Bis man einen Doktortitel hat, macht man dies als Vertretung oder als Tutor. Professoren haben ihre Vorlesungen und Seminare die sie zu all ihrer restlichen Arbeit und den 100 täglichen E-Mails bewältigen müssen.

Weiterbildung – Man lernt niemals aus! Man geht auf Workshops und mehrtägige Seminare um sich in statistischen Auswertungsmethoden weiterzubilden oder um sich in Themen wie „Projektmanagement“ oder „Gelungene Konferenzpräsentationen“ einzuarbeiten.

Konferenzen – Um die Sichtbarkeit der eigenen Forschung etwas zu erhöhen und um Verbindungen zu anderen Forschern zu knüpfen, spielen Konferenzen eine wichtige Rolle. Je nach Aufwand den man betreibt und dem Thema der Forschung hält man auf Konferenzen und Fachtagungen entweder einen Vortrag oder stellt ein Poster mit den wesentlichen Aspekten der aktuellen Forschung dar.

Studien – Der Motor und die Grundlage für alles in der Wissenschaft. Ohne Studien keine Publikationen. Und über die Anzahl der hochrangigen Publikationen werden wir bemessen. Wird zu wenig publiziert, werden auch gerne ganze Institute geschlossen. Hier taucht auch häufig die Problematik zwischen Quantität und Qualität auf. Beides steht konträr zueinander: Man kann viele Studien oder eine richtig umfangreiche Studie machen und diese in einem Artikel in einer qualitativ sehr hochwertigen wissenschaftlichen Fachzeitschrift publizieren (sofern man denn die unabhängigen Gutachter vom Fach dort überzeugen und zufriedenstellen kann). Oder man kann viele Studien machen und in vielen Artikeln, in immer noch sehr guten Fachzeitschriften, aber eben nicht grandiosen, veröffentlichen.

 

Die Wissenschaft ist ein hartes Pflaster. Viel Kritik wenig Lob und unsichere Arbeit – meine Arbeitsverträge liefen 5 Monate, 8 Monate, zwei Jahre, ein Jahr, 6 Monate, 6 Monate. Entweder man wird hart oder man zerbricht daran. Ständig wird die eigene Leistung der durchgeführten Studien, auf Konferenzen und bei der Einreichung von Manuskripten bei Fachzeitschriften in Frage gestellt. Auch wenn ich eine Person kenne, die das absolute Gegenteil ist:

Niemand ist so selbstkritisch und stellt die eigenen Leistungen so in Frage, wie wissenschaftlich arbeitende Psychologen.

Dabei müssten wir uns gar nicht so verstecken und unser Licht unter den Scheffel stellen. Wir stampfen komplette Projekte aus dem Boden, konzipieren diese, erzeugen sie und führen sie durch, koordinieren Arbeit mit unterschiedlichen Partnern, delegieren Aufgaben an Hilfskräfte, werten Studien statistisch aus, dokumentieren sie in Konferenzbeiträgen und Fachartikeln und präsentieren die destillierten Ergebnisse vor einem internationalen Publikum das keine Fehler verzeiht.

Personal financial management

Das ist eine Idee, die mich begeistert und auch nahe an meiner Doktorarbeit liegt: Die Möglichkeit computerunterstützt jedem Menschen ein „personal financial management“ zu ermöglichen. Es gibt ein paar Programme, die dies in Ansätzen versuchen aber leider noch nicht dort sind und auch ansonsten Schwierigkeiten mit der Usability haben.

Unter personal financial management würde man verstehen, dass mir beispielsweise in einer Bank ein persönlicher Finanzberater zur Verfügung steht, der sich um meine Finanzen kümmert und in meinem Interesse handelt. Tatsächlich geht es bei personal financial management nicht darum, dass jemand anderes sich um meinen Finanzen kümmert, sondern das ich mich um meine Finanzen kümmere.

Personal financial management bezieht sich auf Software, die den Anwendern hilft ihr Geld selbst zu verwalten.
– Wikipedia

Auf dem Markt gibt es unterschiedliche Apps die dies bereits versuchen bzw. zumindest Teile davon abdecken. Im Sinne des „Quantified Self“ erfassen sie die persönlichen Finanzen, werten diese aus und liefern handlungsweisende Informationen.

Konten

Finanzblick und Centralway Numbrs liefern einen mehr oder minder gut Überblick über die aktuellen Kontostände und versuchen zumindest noch die Daten auszuwerten und zum besseren Verständnis zu visualisieren. Aber wie ich es schon in meinem Beitrag zu „Quantified Self“ sagte:

Ohne eine Verhaltensänderung zu bewirken, sind alle Daten und Visualisierungen nutzlos.

Versicherungen

Hier kann man GetSafe und jüngst auch Clark benennen. Beide Unternehmen treten als Versicherungsmakler auf und möchten nicht nur einen Überblick über alle vorhandenen Versicherungen anbieten, sondern auch natürlich eventuell bessere Angebote darstellen. Mit dem Alter steigt häufig auch die Anzahl der Versicherungen und Zusatzversicherungen die man hat und hier den Überblick zu behalten ist mit gewissem Aufwand verbunden. Beide haben noch viel Potential nach oben denn ich würde gerne einen umfangreichen Überblick über meine Versicherungen haben der über die einfache Aufzählung meiner Versicherungen geht. Ich würde auch gerne sehen, was genau und zu welchen Konditionen ich versichert habe, wie man es häufig bei Versicherungsvergleichsseiten sieht.

Immobilien

Wirklich viele Apps mit umfangreichen Funktionen gibt es hier nicht. Im iTunes Store findet man Caretaker, der eine mobile Immobilienverwaltung ermöglicht. Daneben gibt es ganze Softwarepakete zur Immobilienverwaltung wie den WISO Hausverwalter oder den Lexware Hausverwalter.

 

Generell ist die Immobilienverwaltung, wie auch die Verwaltung der Konten und Versicherungen, nicht für den eigenständigen, mobilen Einsatz gedacht. Als unterstützende App für eine vollwertige Webseite hat es einen Nutzen, da man schnell nach dem Kontostand schauen kann oder Schäden an Immobilien sowie Zählerstände eintragen kann. Warum man eine App anstelle einer Webseite für Versicherungen braucht, wird mir nicht klar: Sind Versicherungen einmal abgeschlossen und gut, fasse ich ich die Jahre lang nicht mehr an. Zumindest nicht täglich und dann auch nicht zwischendurch auf meinem Smartphone.
Um wirklich Nutzen davon zu haben, braucht man einen größeren Überblick und etwas Zeit. Die mobile und schnelllebige Natur eines Smartphones ist hierbei ungeeignet. Ein Tablet oder ein gewöhnlicher Laptop/PC ist hier die richtige Wahl.

Keine der vorgestellten Apps bietet einen Überblick über alle meine finanziellen Aspekte. Ich spreche von einer Inventur aller persönlichen Aktiva und Passiva.

  • Girokonten
  • Sparbücher
  • Tagesgeld
  • Festgeld
  • Depots
  • Lebensversicherungen (falls ich jetzt kündigen würde)
  • Immobilien
  • Andere Versicherungen

Dies wäre zunächst nur ein Überblick darüber, über wie viel Vermögen man alles in allem an welchen Stellen verfügt. So kann man jederzeit eine Änderung daran vornehmen, wenn etwas aus dem Ruder läuft oder größere Ausgaben anstehen. Für den Fall das man plötzlich verstirbt, wäre so ein Überblick auch wirklich nützlich. Alles ist an einem Ort, man muss nicht suchen. Dies wäre eine massive, kognitive Erleichterung. Es wäre nichts anderes als ein gut gemachtes business dashboard für die persönliche Nutzung!

In einem nächsten Schritt kann man zu dem Überblick aller Finanzen auch die Verwaltung und automatische Empfehlungen hinzufügen. Um dies jetzt schon möglich zu machen, wären zwei deutsche Unternehmen dafür aufgestellt: Buhl und Lexware. Praktisch alle Menschen die in Deutschland ein Gewerbe betreiben werden ein Produkt dieser Unternehmen verwenden. Buchhaltung, Löhne, Fakturierung sind nur ein paar Bereiche in denen Buhl und Lexware Software anbieten. Den meisten anderen ohne Gewerbe werden diese Unternehmen eher als Anbieter von Steuererklärungssoftware bekannt sein. Auf der einen Seite das WISO Steuersparbuch und tax auf der anderen Seite Quick Steuer und Taxman.

Im Vergleich zu Lexware hat Buhl mit Finanzblick bereits einen Versuch gestartet, einen Überblick über die persönlichen Finanzen zu schaffen. Was die Usability und den tatsächlichen Nutzen für den Anwender angeht, gibt es noch reichlich Möglichkeiten der Verbesserung. Diesbezüglich hatte ich schon persönlichen Kontakt mit der Unternehmensleitung, längere Diskussionen geführt und Ideen erarbeitet. Nichtsdestotrotz hat Buhl bereits verschiedenste Verwaltungssoftware auf dem Markt, die mit vergleichsweise geringem Aufwand miteinander vernetzt werden können. Finanzblick als zentraler Überblick über die Finanzen und die anderen Produkte als kostenpflichtige Module für die Verwaltung.