Stationären Handel digital anreichern

Es gibt reichlich Geschäfte in den Einkaufspassagen Deutschlands, die keinerlei mobile App anbieten und noch nicht einmal eine Webseite haben. Keine App anzubieten und diese bei iTunes oder im PayStore aktuell zu halten, halte ich nicht für weiter bedenklich in diesem Fall. Der Mangel einer (mobilen) Webseite ist jedoch ein Armutszeugnis: Das ist vergleichbar mit dem Mangel einer Telefonnummer. Dabei kann der stationäre Handel – traditionelle, alt-eingesessene Läden mit Stammkundschaft – nur von einer angemessenen Digitalisierung profitieren.

Viele solcher Läden merken langsam das zunehmende Alter ihrer Kundschaft und müssen sich in irgendeiner Weise neu erfinden, um ein jüngeres Publikum anzusprechen und damit neue Kundschaft, wünschenswerterweise wieder langfristig zu binden. Dafür ist keine größere, digitale Umstellung nötig! Es geht hierbei um eine einfache Anreicherung um digital verfügbare Informationen. Dies ist weder sehr schwer noch sehr aufwendig und zudem verändert es das langjährig praktizierte Ladengeschäft nicht. Anstatt das Kunden nur im Laden Produkte sehen und kaufen können, können sie auch parallel online über neue Angebote informiert werden. Hier halte ich den Handel online noch raus. Ein stationärer Handel, der gerade erst damit gerungen hat, eine eigene Webseite zu bekommen, wird wenig motiviert sein, sich komplett umzustellen und dann noch online Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Es stellt jedoch kein Problem dar, zu neuen Produktinformationen noch eine E-Mail Adresse und Telefonnummer darzustellen, dass potentielle Kunden ihr Interesse daran kundgeben können und eventuell Ware zurückgelegt werden kann. Hier geht es nicht darum, nur eine verwahrloste Webseite zu haben, sondern darum, diese aktiv in das Ladengeschäft einzubinden. Dafür muss diese Webseite selbstverständliche eine mobile Ansicht unterstützen!

Eine solche, minimal digitale Informationsanreicherung durch eine einfache Webseite, könnte auch dem sogenannten „Showrooming“ entgegenwirken.

„Showrooming“ ist der Begriff dafür, Produkte im stationären Handel zu prüfen und dann doch anderswo online zu kaufen.

Dieses Verhalten der Kundschaft ist genau das, wovor sich rein stationäre Läden fürchten: Sie haben die Arbeit und die Kosten, die Produkte auszustellen und eventuell auch noch potentielle Kunden zu beraten und dann kaufen diese – sehr dreisten – Kunden das selbe Produkt günstiger, anderswo online.
Bei vielen stationären Läden halte ich die Beratung für nicht sehr nützlich oder gar notwendig. Wenn man sich ein wenig mit digitalen Technologien auskennt und über die nötige „information literacy“ (Informationskompetenz) verfügt, findet man online wesentlich objektivere, genauere und umfangreichere Informationen zu den meisten käuflich zu erwerbenden Produkten oder Dienstleistungen.
Nichtsdestotrotz praktiziert die Hälfte aller Bürger Showrooming (dies war eine US-amerikanische Studie, daher wird es leichte Unterschiede zu Deutschland geben). Den Kunden in einem nächsten Schritt – wie hier anfänglich beschrieben – die Möglichkeit zu geben, auch bequem online einzukaufen, könnte ein paar dieser „Showroomer“ an den eigenen Laden binden:

Man stelle sich vor, man geht in ein alteingesessenes Bekleidungsgeschäft in einer Einkaufspassage. Man kennt die Besitzer, man kennt die Verkäufer. Man wurde gut behandelt und auch schon gut beraten (bei Bekleidung halte ich gute Beratung tatsächlich für nützlich). Jetzt hat man vielleicht nicht die Zeit dort einzukaufen, oder ist noch unentschlossen, nachdem man etwas anprobiert hat. Zuhause entscheidet man sich, doch diesen einen Mantel zu kaufen. Da man ihn im Bekleidungsgeschäft gesehen hat, besucht man als erstes dessen Webseite und lässt sich den Mantel zurücklegen oder kauft ihn direkt ein.

Hätte das Bekleidungsgeschäft keine Webseite, wäre es wahrscheinlicher, dass man im Internet sucht und den Mantel im nächstbesten Versandhandel kauft. Mit Webseite besteht wenigstens noch eine Chance, diesen Kunden zu halten. Darüberhinaus kann man online neue Kundschaft ansprechen, die als Laufkundschaft nicht an dem stationären Laden vorbei käme oder hinein ginge.

Wenn man vorher nur ein stationärer Handel war, ist man nun ein stationärer Handel PLUS!

Digitale Technologien sind ein Werkzeug, nicht nur um komplett Neues zu schaffen, sondern auch um bestehendes zu verbessern. Es ist überhaupt nicht nötig, dass man sich komplett auf digitale Technologien umstellt und den stationären Handel, den man jahrzehntelang erfolgreich praktiziert hat, über Bord wirft. Dies wäre der falsche Weg, der niemandem nutzt. Ein radikaler Wandel zum online Handel wäre für solche Läden schädlich, da plötzlich alles anders ist. Und wie ich es schon beschrieben hatte, mögen Menschen Veränderungen nicht und möchten den status quo erhalten. Ladenbesitzer wären demotiviert, da sie mit den „neuen“ Technologien (seit ~1995 gibt es in Deutschland flächendeckend Internet) nicht so geschickt umgehen können, wie sie es mit ihrem Laden in den letzten Jahrzehnten gelernt haben. Es wäre nicht nur die Demotivation sondern auch einfach die mangelnde Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien, worunter der Handel leiden würde. Es würde weniger Zeit investiert werden in das, was man beherrscht und mehr Zeit, in das was man nicht beherrscht. Dies würde zu einem (vielleicht nur anfänglichen) Verlustgeschäft führen.

Eine einfache, schrittweise Anreicherung des Ladengeschäfts um digitale Informationen ist eine langsame, schrittweise Veränderung, welche Menschen wesentlich leichter fällt, als eine schnelle, große Veränderung. Mit einer einfachen Webseite anzufangen, ist ein kleiner Schritt, der zu großen Gewinnen führen kann.

Ordnung, Produktivität und Zufriedenheit

Ordnung ist, wenn man nicht suchen muss.

Der Akt des Suchens ist uns Menschen so zuwider, dass wir sehr viel Zeit dafür aufbringen, Ordnung zu schaffen. Manche behaupten gar, die Hälfte unseres Lebens. „Ordnung ist das halbe Leben.“ Ich verstehe diesen Spruch nicht so, als müsse man das halbe Leben Ordnung halten sondern eher, dass man das halbe Leben verliert, wenn man keine Ordnung hält. Man ist einfach so lange beschäftigt mit Suchen.

Wir suchen nur ungern nach Objekten oder auch nach Antworten. Wir wünschen uns Ordnung in Dingen und Gedanken. Klarheit und Eindeutigkeit. Man braucht ein System, dem man vertrauen kann. Sei es ein Wochenplan aus Papier, ein Ringordner, ein Aktenschrank, ein digitaler Kalender oder andere Software auf dem Smartphone/Computer. Das Buch und die gleichnamigen Methode „Getting Things Done“ von David Allen ist an sich sehr empfehlenswert. Es war anstrengend das Buch durchzuarbeiten und wenn man diese Methode vollständig umsetzen möchte – und wenn man dies macht wird man wirklich produktiv und hat mehr Freizeit – dann muss man sich einem straffen Regime unterwerfen. Im Internet findet man reichlich Informationen dazu, wenn man nur nach „GTD“ sucht. Verschiedene Webseiten und Programme für Computer und Smartphone.

Die Kernideen sind psychologisch fundiert:

Projekte und Aufgaben differenzieren

Erkennen von größeren Projekten und deren Aufgaben, die es zu erledigen gibt. „Urlaub buchen“ ist ein Projekt mit dem die meisten etwas anfangen können. Jetzt kann man ein Projekt so groß fassen wie man möchte aber es sollte noch eine sinngemäße Einheit sein. „Urlaub machen“ wäre ein Projekt was beim Buchen startet und beim Auspacken Zuhause endet, also viel zu groß. „Urlaub buchen“ ist als Aufgabe sehr diffus, besteht selbst wiederum aus verschiedenen Aufgaben wie „Abklären, wohin es gehen soll“, „Abklären, was es kosten kann“, „Abklären, welcher Zeitraum geeignet ist“, „Angebote suchen“, „Angebote vergleichen“, „Glaubwürdigkeit des Anbieters überprüfen“, „Qualität des Hotels und Urlaubsorts überprüfen“ … Reichlich Aufgaben für das Projekt „Urlaub buchen“ die es erst einmal zu identifizieren gibt. Einzelne Aufgaben werden zu sinngemäßen Projekten geordnet. Es ist immer deutlich was ich wofür erledigen muss.

Aufgaben sammeln

Alle, aber auch wirklich alle, unerledigten Aufgaben/Projekte die einem im Kopf schwirren und an die man sich immer dann erinnert, wenn man sie gerade nicht erledigen kann, in ein System dem man vertraut schreiben. Aus dem internen System Kopf, in ein anderes System vollständig externalisieren. Es gibt keinen Unterschied zwischen privaten und geschäftlichen Aufgaben. Es gibt nur Aufgaben die man irgendwie bearbeiten will. Hiermit wird das Arbeitsgedächtnis entlastet, da man nicht immer wieder an unerledigte Aufgaben denken und sie im Gedächtnis halten muss. Es werden geistige Kapazitäten frei, die man für andere Aufgaben nutzen kann, wenn man sich denn nicht einfach durch die neu gewonnene geistige Freiheit entspannen möchte.

Kontext hinzufügen

Man hat nun Projekte und dazu reichlich Aufgaben. Es ist eine kognitive Erleichterung, wenn man an Aufgaben in dem Kontext denkt, in dem man sie tatsächlich erfüllen kann. Mir hilft es wenig mich im Supermarkt von meinem Smartphone daran erinnern zu lassen, dass ich noch eine wichtige E-Mail schreiben muss. Viel hilfreicher wäre es, wenn ich daran erinnert werden würde, wenn ich sowieso am Computer sitze. Dieses Konzept ist in der Psychologie als „scaffolding“ bekannt und beschreibt ein hilfestellendes Gerüst beim Lernen und Arbeiten. Alle Aufgaben die zwangsläufig zu irgendwelchen Projekten gehören werden mit einem Kontext markiert damit man sie wiederfindet und erledigen kann, wenn man sich gerade in diesem Kontext befindet. Hier wird gerne die Schreibweise @Computer, @Telefon oder @Institut  etc. verwendet.

Workflow

Das ist das Kernstück von GTD welches man immer wieder online findet ohne nähere Erklärungen: Kurz gesagt kann man mit Aufgaben die man als „actionable“ (man kann etwas damit machen) identifiziert hat auf dreierlei Weise umgehen:

  1. Sofort erledigen wenn es weniger als 2 Minuten dauert.
  2. Delegieren und mit „warten auf“ markieren, damit man weiß, dass man noch auf etwas wartet.
  3. Verschieben und es später wieder hervorholen.

Natürlich kann man auch Aufgaben einfach wegwerfen und erledigtes archivieren, falls man noch einmal darauf zugreifen möchte. Die Idee ist hier ähnlich der Eisenhower-Methode in der man Aufgaben in einem Vierfelderschema dringend/nicht dringend und wichtig/nicht wichtig einordnet und dementsprechend prioritisiert und abarbeitet.

 

Ob man nun diese Methode tatsächlich voll durchzieht, bleibt einem selbst überlassen. Es ist jedoch wirklich aufwendig, wöchentlich alle Aufgaben und Listen durchzugehen und wirklich alles zu erfassen. Für denjenigen, der das wirklich leisten kann und möchte, führt es zu mehr Produktivität und mehr Freizeit und Zufriedenheit. Man kann sich gut ein paar Aspekte aus der Methode herauspicken ohne gleich alles straff umsetzen zu müssen. Aufgaben die man innerhalb von 2 Minuten sofort erledigen kann, sofort zu erledigen, weil die Erinnerung daran mehr Zeit frisst, als die tatsächliche Erledigung, ist beispielsweise sehr ratsam. Ich fand auch den Gedanken hilfreich, dass es kein „Zeitmanagement“ als solches gibt sondern nur ein „Aufgabenmanagement“, da Zeit einfach vergeht und man sie nicht managen kann.

Bei so vielen Aufgaben fragt man sich, was man denn noch alles tun muss. Man muss dieses tun, man muss jenes tun. Man spricht immer vom Müssen aber nie vom Wollen.

Es gibt kein Müssen, es gibt nur Wollen.

Ich muss keine Aufgabe erledigen, selbst wenn mir jemand eine Pistole an den Kopf hält. Ich will in diesem Fall eine Aufgabe erledigen, weil ich die anderweitigen  Konsequenzen vermeiden möchte. Letztlich die Anwendung von psychologischen Verhaltensmodellen wie dem SORKC-Modell oder dem SOEVK-Modell. Wenn man das eigene Denken von Müssen zu Wollen umstellt, dann fällt einem die Erledigung von – vor allem unliebsamen – Aufgaben leichter. Niemand kann einen zwingen etwas zu tun, man denkt kurz über den Grund nach, warum man es vielleicht doch tun sollte und entscheidet sich freiwillig dafür oder dagegen. Aufgaben werden somit weniger als extern aufgedrückt sondern viel mehr als intern ausgewählt angesehen. Die Erfüllung fällt einem wesentlich leichter.

Facebook für Wissenschaftler

Wissenschaftler weltweit online zu vernetzen könnte den Wissensaustausch und die Kollaboration verbessern und erleichtern. So könnte schneller, besserer Forschung geschaffen werden. Diese Idee eines „Facebook für Wissenschaftler“ gibt es bereits in mehrfacher Ausführung und darüber hinaus, gibt es auch Facebook selbst. Hier nenne ich kurz ein paar dieser Webseiten und Werkzeuge ehe ich das Potential von Google darstelle.

ResearchGate

Wohl die populärste Webseite dieser Art. Wissenschaftler können sich anmelden und pre-print Versionen ihrer Artikel hochladen, so dass diese auch legal von anderen Mitgliedern heruntergeladen werden können. Es gibt verschiedene Statistiken darüber, wie populär man aufgrund der publizierten Artikel ist. Wirklich kollaborativ arbeiten kann man hier nicht daher ist der einzige Nutzen dieser Seite die Vernetzung zu anderen Wissenschaftlern, die Artikel auf die man Zugriff bekommt und wen es interessiert, auch die Statistiken über die eigene Popularität.

Academia.edu

Wie ResearchGate.

Mendeley

Hat ähnliches vor wie ResearchGate und Academia.edu aber das Ganze rückwärts aufgezogen: Es hat als Literaturverwaltungsprogramm angefangen (ich erwähnte Zotero als nicht-proprietäre Alternative), in dem Individuen ihre Literatur verwalten können um sich dann automatisch korrekt formatierte Literaturangaben in ihren Manuskripten anzeigen zu lassen, anstatt diese händisch bearbeiten zu müssen. Stück für Stück wurde die Funktionalität erweitert und mittlerweile ist es auch ein Netzwerk zwischen Wissenschaftlern. Aber auch hier gibt es noch kein kollaboratives Arbeiten.

Publons

Publons ist noch kein Netzwerk wie die anderen bisher. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Funktionalität eingebaut wird. Hier geht es darum, dass man Anerkennung für die geleistete Arbeit als Gutachter bekommt. Publiziert man Artikel, wird man von den Verlagen eingeladen, Manuskripte von anderen Wissenschaftlern zu begutachten. Natürlich weiß man nicht, wer die Autoren der Manuskripte sind. Diese zeitintensive Tätigkeit wird von einem Wissenschaftler erwartet und es gibt keinerlei Vergütung hierfür. Publons möchte das ändern und dort kann man nachweislich darstellen, welche Artikel man begutachtet hat und wenn man möchte, auch wie das Gutachten aussah.
So etwas hat auch der Verlag Elsevier vor.

ORCID

An sich ein DOI für Wissenschaftler: Manchmal wechselt man den Nachnamen, manchmal wechselt man das Institut und manchmal heißt man einfach John Smith. Bei ORCID bekommt man eine eindeutige Nummer, die man mit den eigenen Publikationen in Verbindung bringen kann. So könnte man selbst Arbeitsplatz, Namen und Geschlecht wechseln und man würde immer noch ohne Mühen mit den früheren Artikeln in Verbindung gebracht werden können. Bisher ist dies nur eine Art kurzer Lebenslauf mit Publikationsliste aber auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Funktionen addiert werden. Das schöne an ORCID ist, dass es ein gemeinnütziges Unternehmen ist, welchen freien Zugriff für alle gewährt. Von Elsevier, dem Springer-Verlag und Publons weiß ich, dass diese sich bereits mit ORCID verknüpfen. Weitere werden folgen, wenn sie es nicht bereits tun.

Xing & LinkedIn

Auf der geschäftlichen Seite gibt es ähnlich Xing und LinkedIn. Wobei Xing in Deutschland wesentlich bekannter ist während LinkedIn eher die große internationale Bekanntheit hat. Für Wissenschaftler, die thematisch der Wirtschaft nahe sind, sind diese Netzwerke wesentlich nützlicher als alle anderen bisher genannten.
Es ist leider sehr mühselig, beide Netzwerke halbwegs ordentlich auf einem nützlichen Stand zu verwalten. Darüber hinaus finde ich beide Unternehmen recht dreist, was die die Premium-Mitgliedschaft angeht: Es ist nicht viel Geld was man dafür zahlen muss, denn irgendwie möchten diese Unternehmen auch Geld verdienen und ihre Server und Mitarbeiter bezahlen. Was mich stört ist, dass ich die rudimentärsten Funktionen kostenfrei bei Facebook bekomme hier jedoch bezahlen muss. Beispielsweise werde ich bei Xing mit einem kleinen Profilbild geteasert, wer mein Profil angeschaut hat aber wenn ich das kleine Profilbild des Besuchers anklicke, werde ich zur Kasse gebeten. Personensuche und Nachrichtenverschicken sind ebenfalls eingeschränkt. Wenn ich nicht schon mit einer kostenfreien Vernetzung vertraut wäre, die üblich ist im Internet, wäre es wohl nicht weiter aufgefallen, dass man hier für die gleiche Funktionalität Geld bezahlen muss.

Google

Google+ ist ein tristes, soziales Netzwerk. Das ist auch nicht die Stärke von Google, sondern die mächtigen Werkzeuge, die es zur Verfügung stellt, die nur über ein einfaches Profil miteinander verbunden werden müssten. Alle nötigen Werkzeuge, um wirklich kollaborative, wissenschaftliche oder allgemeine Planungs-, Organisations- und Dokumentationsarbeit zu leisten, sind bereits vorhanden:

  • Google Drive für die Dokumentenablage
  • Google Docs für die kollaborative Bearbeitung von Dokumenten
  • Google Calendar für die Terminierung (die Nützlichkeit eines digitalen Kalenders habe ich bereits erwähnt)
  • Google Keep für kollaborative Notizen und Ideensammlung (ein wirklich wunderbares Programm, was nicht annähernd populär genug ist!)
  • Google Scholar für die Literaturrecherche

Jetzt müsste Google nur nachziehen und das ganze sinngemäß miteinander verknüpfen. Wie ich es schon einmal beschrieben habe, würde ich mir wünschen, dass Google da ein wenig nachholt, insbesondere was Literaturmanagement angeht.

Die aktuelle Tätigkeit eines Psychologen

Meinen letzten Beitrag über den Alltag eines Psychologen haben erstaunlich viele Menschen gelesen, daher gehe ich hier einmal näher darauf ein, wie meine aktuelle Tätigkeit kurz vor der Fertigstellung meiner Doktorarbeit am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen aussieht.

Meine primäre Aufgabe besteht aktuell daraus, einen Mantel um meine Publikationen zu schreiben. Anders als bei einer Monographie, wo man die durchgeführten Studien und Erkenntnisse in einem langen Text von oben nach unten voll ausschreibt, handelt es sich bei mir um eine „pseudo-kumulative Dissertation“. Laut der Promotionsverordnung werden mindestens „zwei zur Veröffentlichung akzeptierte Manuskripte“ von mir verlangt, auf die ich in dem besagten Mantel hinführe und dann zusammenfassend diskutiere. Da bereits ein „Peer-Review“ der Artikel von unabhängigen Gutachtern stattgefunden hat und diesen somit ein gewisses Maß an Qualität bescheinigt wurde, muss ich keine lange Monographie schreiben, sondern hänge die von mir verfassten Artikel in den Anhang. Meine Artikel umfassen ein recht breites Spektrum der Psychologie: Der erste ist eher IT, der zweite ist eher Management und der dritte eher klassische Psychologie.

Glücklicherweise wurde bereits ein Artikel von mir in der Zeitschrift „Computers in Human Behavior“ publiziert, wo ich die Bedeutung von Informationsaustausch in computerunterstützten Verhandlungen hervorhebe und eine Möglichkeit aufzeige, wie dies ohne Vorwissen und ohne Training zu besseren Verhandlungsergebnissen führen kann.

Einen weiteres Manuskript habe ich bei „Group Decision and Negotiation“ eingereicht. Dort habe ich versucht einen Schritt weiter zu gehen und die Möglichkeiten einer computerunterstützten Verhandlung stärker zu nutzen und das Verhandlungsergebnis durch den Austausch detaillierterer Informationen – wieder ohne Vorwissen oder Training – weiter zu optimieren. Das hatte eine andere Wirkung als man meinen möchte: Mehr Computer und mehr Informationen haben die Verhandlungsergebnisse nicht verbessert. tatsächlich waren die Verhandlungspartner unzufriedener, unehrlicher und unfairer.
Ich warte dort auf die Antwort der Gutachter. Ganz selten hat man Glück mit den Gutachtern und sie sind hellauf begeistert von der eigenen Arbeit und winken das Manuskript quasi durch. Meistens sind die Gutachter sehr kritisch, haben aber mehr oder minder gute Einwände auf die man in irgendeiner Weise eingehen muss, damit das Manuskript als Artikel akzeptiert wird. Manchmal hat man aber auch einfach Pech und kommt an Gutachter (oder auch einen noch davor stehenden Assistenz-Editor, der die Gutachter aussucht) die nicht sehr gut gewählt worden sind. Diese haben wenig Ahnung vom Thema und dementsprechend vernichtend ist dann ihre Ablehnung des Manuskripts. Natürlich kann man auch einfach schlecht geschrieben haben, aber auf dem Niveau auf dem wir hier im Leibniz-Institut für Wissensmedien arbeiten, liegt es zumindest nicht an der Qualität der Forschung.

Ein drittes Manuskript liegt bei „Personality and Individual Differences“. Hier bin ich auf die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten eingegangen, die das individuelle Verhandlungsergebnis in einer computerunterstützten Verhandlung beeinflussen könnten. Interessanterweise spielen die eigenen Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten kaum eine Rolle für die Qualität des eigenen Verhandlungsergebnisses. Vom Verhandlungspartner hängt ab, wie gut das eigene Ergebnis ist. Ist er „gut“ ist das eigene Ergebnis gut. Ist er „schlecht“ ist das eigene Ergebnis schlecht.
Hier warte ich auch auf die Antwort der Gutachter. …Natürlich könnten die beiden Manuskripte von den Gutachtern abgelehnt werden. Das würde für mich bedeuten, die etwaigen Fehler auszubessern und dann die Manuskripte bei anderen internationalen Fachzeitschriften einzureichen.

Während also die für meine Dissertation nötigen Artikel entweder fertig sind oder zumindest bereits begutachtet werden, muss ich nun den Mantel drumherum schreiben, der meine Forschungsprojekte mit einem klaren, roten Faden, zu einem Paket schnürt. Das ist leider Gottes sehr zäh. Nicht nur das ich diese drei Artikel/Manuskripte habe, ich bin auch noch bei zwei Artikeln Coautor zum Thema Informationsaustausch zur computerunterstützten Lösung von Problemen. Diese zwei Artikel sind quasi die geistigen Eltern meiner Forschungsprojekte und spielen auch eine kleine Rolle in meiner Dissertation, die ich zumindest erwähnen werde. Darüber hinaus ist es echt anstrengend, wenn man jetzt zum vierten mal in Folge (drei Artikel und jetzt der Mantel) fast die selbe Literatur zitiert. Man formuliert immer und immer wieder die selben Inhalte um, so dass sie dem Anlass entsprechend passen. Ich werde nicht plötzliche Darwin oder Einstein zitieren, der Inhalt meiner Forschungsprojekte wird sich nicht plötzlich verändert haben.

Auf jeden Fall ist es sehr viel Kopfarbeit. Man kopiert einen Abschnitt aus einem der Artikel, fügt ihn in den Mantel ein. Dann schreibt man ihn um. Paar Stunden später liest man den umgeschriebenen Abschnitt und stellt fest, dass er nicht gut ist oder von der Struktur des Mantels an diese Stelle so nicht passt. Man löscht ihn wieder oder schreibt ihn nochmal um oder man schiebt ihn für später an eine andere Stelle im Mantel. Stück für Stück wird der Mantel vollständiger. Aber es ist wirklich zäh! Hinzu kommt, dass man der erste Mensch ist, der über das Thema seiner oder ihrer Dissertation schreibt. Es gibt nicht wirklich eine Vorlage an der man sich orientieren kann. Man erschafft auch hier etwas komplett neues in selbständiger Pionierarbeit.

Hauptsächlich arbeite ich an meinem Mantel aber darüber hinaus gibt es noch Nebenprojekte die ich mit bearbeite, diverse Meetings an denen ich teilnehmen muss, Weiterbildungen für die ich mich eingetragen habe und Lehre, die ich als Dozent an der International School of Management in Stuttgart vorbereiten muss.