Facebook für Wissenschaftler

Wissenschaftler weltweit online zu vernetzen könnte den Wissensaustausch und die Kollaboration verbessern und erleichtern. So könnte schneller, besserer Forschung geschaffen werden. Diese Idee eines „Facebook für Wissenschaftler“ gibt es bereits in mehrfacher Ausführung und darüber hinaus, gibt es auch Facebook selbst. Hier nenne ich kurz ein paar dieser Webseiten und Werkzeuge ehe ich das Potential von Google darstelle.

ResearchGate

Wohl die populärste Webseite dieser Art. Wissenschaftler können sich anmelden und pre-print Versionen ihrer Artikel hochladen, so dass diese auch legal von anderen Mitgliedern heruntergeladen werden können. Es gibt verschiedene Statistiken darüber, wie populär man aufgrund der publizierten Artikel ist. Wirklich kollaborativ arbeiten kann man hier nicht daher ist der einzige Nutzen dieser Seite die Vernetzung zu anderen Wissenschaftlern, die Artikel auf die man Zugriff bekommt und wen es interessiert, auch die Statistiken über die eigene Popularität.

Academia.edu

Wie ResearchGate.

Mendeley

Hat ähnliches vor wie ResearchGate und Academia.edu aber das Ganze rückwärts aufgezogen: Es hat als Literaturverwaltungsprogramm angefangen (ich erwähnte Zotero als nicht-proprietäre Alternative), in dem Individuen ihre Literatur verwalten können um sich dann automatisch korrekt formatierte Literaturangaben in ihren Manuskripten anzeigen zu lassen, anstatt diese händisch bearbeiten zu müssen. Stück für Stück wurde die Funktionalität erweitert und mittlerweile ist es auch ein Netzwerk zwischen Wissenschaftlern. Aber auch hier gibt es noch kein kollaboratives Arbeiten.

Publons

Publons ist noch kein Netzwerk wie die anderen bisher. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Funktionalität eingebaut wird. Hier geht es darum, dass man Anerkennung für die geleistete Arbeit als Gutachter bekommt. Publiziert man Artikel, wird man von den Verlagen eingeladen, Manuskripte von anderen Wissenschaftlern zu begutachten. Natürlich weiß man nicht, wer die Autoren der Manuskripte sind. Diese zeitintensive Tätigkeit wird von einem Wissenschaftler erwartet und es gibt keinerlei Vergütung hierfür. Publons möchte das ändern und dort kann man nachweislich darstellen, welche Artikel man begutachtet hat und wenn man möchte, auch wie das Gutachten aussah.
So etwas hat auch der Verlag Elsevier vor.

ORCID

An sich ein DOI für Wissenschaftler: Manchmal wechselt man den Nachnamen, manchmal wechselt man das Institut und manchmal heißt man einfach John Smith. Bei ORCID bekommt man eine eindeutige Nummer, die man mit den eigenen Publikationen in Verbindung bringen kann. So könnte man selbst Arbeitsplatz, Namen und Geschlecht wechseln und man würde immer noch ohne Mühen mit den früheren Artikeln in Verbindung gebracht werden können. Bisher ist dies nur eine Art kurzer Lebenslauf mit Publikationsliste aber auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Funktionen addiert werden. Das schöne an ORCID ist, dass es ein gemeinnütziges Unternehmen ist, welchen freien Zugriff für alle gewährt. Von Elsevier, dem Springer-Verlag und Publons weiß ich, dass diese sich bereits mit ORCID verknüpfen. Weitere werden folgen, wenn sie es nicht bereits tun.

Xing & LinkedIn

Auf der geschäftlichen Seite gibt es ähnlich Xing und LinkedIn. Wobei Xing in Deutschland wesentlich bekannter ist während LinkedIn eher die große internationale Bekanntheit hat. Für Wissenschaftler, die thematisch der Wirtschaft nahe sind, sind diese Netzwerke wesentlich nützlicher als alle anderen bisher genannten.
Es ist leider sehr mühselig, beide Netzwerke halbwegs ordentlich auf einem nützlichen Stand zu verwalten. Darüber hinaus finde ich beide Unternehmen recht dreist, was die die Premium-Mitgliedschaft angeht: Es ist nicht viel Geld was man dafür zahlen muss, denn irgendwie möchten diese Unternehmen auch Geld verdienen und ihre Server und Mitarbeiter bezahlen. Was mich stört ist, dass ich die rudimentärsten Funktionen kostenfrei bei Facebook bekomme hier jedoch bezahlen muss. Beispielsweise werde ich bei Xing mit einem kleinen Profilbild geteasert, wer mein Profil angeschaut hat aber wenn ich das kleine Profilbild des Besuchers anklicke, werde ich zur Kasse gebeten. Personensuche und Nachrichtenverschicken sind ebenfalls eingeschränkt. Wenn ich nicht schon mit einer kostenfreien Vernetzung vertraut wäre, die üblich ist im Internet, wäre es wohl nicht weiter aufgefallen, dass man hier für die gleiche Funktionalität Geld bezahlen muss.

Google

Google+ ist ein tristes, soziales Netzwerk. Das ist auch nicht die Stärke von Google, sondern die mächtigen Werkzeuge, die es zur Verfügung stellt, die nur über ein einfaches Profil miteinander verbunden werden müssten. Alle nötigen Werkzeuge, um wirklich kollaborative, wissenschaftliche oder allgemeine Planungs-, Organisations- und Dokumentationsarbeit zu leisten, sind bereits vorhanden:

  • Google Drive für die Dokumentenablage
  • Google Docs für die kollaborative Bearbeitung von Dokumenten
  • Google Calendar für die Terminierung (die Nützlichkeit eines digitalen Kalenders habe ich bereits erwähnt)
  • Google Keep für kollaborative Notizen und Ideensammlung (ein wirklich wunderbares Programm, was nicht annähernd populär genug ist!)
  • Google Scholar für die Literaturrecherche

Jetzt müsste Google nur nachziehen und das ganze sinngemäß miteinander verknüpfen. Wie ich es schon einmal beschrieben habe, würde ich mir wünschen, dass Google da ein wenig nachholt, insbesondere was Literaturmanagement angeht.

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