Quantified Self

Vor ein paar Jahren, bevor ich im Leibniz-Institut für Wissensmedien Doktorand wurde und nur Projektarbeit geleistet habe, hatten wir in einer Sitzung unserer Arbeitsgruppe eine Frage bearbeitet:

Welche Technologien werden in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Der Grund für diese Frage war, dass wir mit unseren Studien nicht nur Grundlagenforschung mit Praxisbezug (gemäß Leibniz‘ Motto „theoria cum praxi“) durchführen wollen, sondern als Institut mit starkem Medienbezug auch am Puls der Zeit bleiben möchten.

Meine Antwort hierauf war: „Quantified self“. Hiermit ist die Erfassung und Auswertung personenbezogener Daten gemeint, die heute bereits Einzug in zahlreiche Haushalte gefunden hat.

Jeder Mensch generiert täglich reichlich Daten und wenn man Interesse daran hat, kann man diese auch mehr oder weniger bequem erfassen und auswerten. Das Paradebeispiel hierfür sind Fitnesstracker, die aufzeichnen, wie lange und wie schnell man sich bewegt hat, wohin man sich begeben hat und wie der Puls war. Für fitnessaffine Menschen durchaus interessante Informationen.
Hier steht nicht die Aggregation von Daten über viele Menschen im Mittelpunkt, sondern das Individuum. Es ist durchaus nett zu wissen, wie weit andere Menschen meines Alters und Gewichts laufen können, aber bedeutender ist mir, wie es um meine Fitness steht, ob ich sie verbessert haben und an welchen Stellen ich sie verbessern kann.
Diese Erfassung und Auswertung von personenbezogenen Daten ist aber kein neues Phänomen. Sehr viele Menschen machen dies seit langem, zumeist jedoch mit Papier und Bleistift. Smartphones und das sich verbreitende „internet of things“ haben dies jedoch deutlich vereinfacht, da man nun viele Gegenstände des Alltags miteinander kommunizieren lassen kann.

Es geht nicht nur um die Verbesserung der eigenen Fitness sondern auch um vieles mehr, was sich personenbezogen erfassen und auswerten lassen kann. Manchmal ist hierfür den Einbau von günstigen Computerchips nötig, die eine automatische Erfassung ermöglichen.

Persönliche Finanzen – Wer viel per Überweisung und Karte bezahlt, kann sich durchaus intelligent die persönlichen Ausgaben auswerten und darstellen lassen. Auch wenn es noch lange nicht perfekt ist, gibt es von der Buhl GmbH (bekannt für die WISO Steuererklärungssoftware) die App/Webseite Finanzblick. (Ich werde demnächst einen Beitrag über die Verwaltung persönlicher Finanzen verfassen, da ich mich auch in meiner Doktorarbeit viel damit beschäftigt habe.)

Persönliche Mobilität – Die Autoindustrie hängt da noch ein wenig hinterher. Gerne würde ich erfasst haben, wie viel Treibstoff ich wann verbraucht habe und wohin ich, wie schnell gefahren bin. Waze ist sehr hilfreich bei Autofahrten und ermöglicht anderen den Nutzen durch die selbst generierten Daten. Bosch hat die Sparte „internet of things“ deutlich ausgebaut, welche weit über Kfz hinausgeht. Es gibt auch Bemühungen von Drittanbietern, die Kfz-Daten auszulesen und verfügbar zu machen: OpenXC liest über die OBD-Schnittstelle des Autos Daten aus und sendet sie per Bluetooth an ein Smartphone.

Persönliche Gesundheit – Apple hat nicht nur die Health App auf den Markt gebracht, welche zahlreiche Gesundheitsdaten verschlüsselt auswertet, sondern auch gleich die API mitgeliefert, damit andere Anbieter auch die Apple-Strukturen nutzen können: HealthKit ermöglicht es, dass das Gerät eines anderen Herstellers, mit den Geräten von Apple kommunizieren kann. Ich bin nicht begeistert von der Idee, alle meine gesundheitsrelevanten Informationen über Apple laufen zu lassen.

 

Bei all diesen Auswertungen von personenbezogenen Daten und ihrer Darstellung, gilt eines zu beachten:

Ohne eine Verhaltensänderung zu bewirken, sind alle Daten und Visualisierungen nutzlos.

Vieles ist schön anzusehen und interessant für den Moment aber wenn es das Verhalten einer Person nicht ändert, dann hat es keinen Sinn. Die Funktion dieser Daten ist, dass man letztlich das eigene Verhalten anpasst und beispielsweise mehr läuft oder weniger Geld für Schuhe ausgibt. Hat eine Auswertung oder die dazugehörige App/Webseite diesen Nutzen nicht für den Benutzer, dann wird dieser sie schnell wieder deinstallieren/verlassen.

Auch wenn das alles schön klingen mag mit „quantified self“, darf man die Sicherheit der Daten nicht vernachlässigen. Ich erfasse gerne personenbezogene Daten über mich jedoch möchte ich sichergestellt haben, dass diese gnadenlos stark verschlüsselt werden. Was ich wann, wo, wie und mit wem mache, geht nur mich und die Leute an, mit denen ich es teilen möchte.

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