Startup-Mentalität und organizational life cycle

Nachdem ich jüngst über Hotelsoftware geschrieben habe, kontaktierte mich kurz darauf Sirvoy, einer der von mir erwähnten Anbieter. Anlässliche dieses Kontakts habe ich mir Gedanken zu Startups gemacht, wo Sirvoy meines Erachtens nach hineinzufallen scheint oder zumindest noch nicht herausgewachsen ist. Dies führte mich auch dazu, mir Gedanken über die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Stufen des „organizational life cycles“ nachzudenken und wie erwachsene Unternehmen sich die Vorteile eines Startups zueigen machen können.

Hier muss ich erwähnen, dass Startup-Mentalität ein recht diffuser Begriff ist und dem Entrepreneurship in ihrer Bedeutung recht ähnlich. Es geht hierbei jedoch weniger um die betriebswirtschaftlichen und psychologischen Voraussetzungen und Gegebenheiten der Gründung eines neuen Unternehmens, sondern um die Vor- und Nachteile der Mentalität, der Arbeitsweise, die mir bei bestehenden Startups aufgefallen ist.

Vorteile

Startups sind aufgrund ihrer Größe sehr flexibel, sie können sehr schnell ihre Richtung wechseln und sich an veränderte Markteigenschaften anpassen. Es wird „bleeding edge technology“ eingesetzt und unmittelbar auf die Anforderungen der Kunden reagiert. Es wird mit der Tradition gebrochen und etwas Neues, Aktuelles erschaffen, was den momentanen Zeitgeist und vor allem Bedarf entspricht.

Startups müssen mit der Qualität des Produktes und Einfachheit der Bedienung überzeugen, so das für den Kunden ein tatsächlicher Mehrwert gegenüber „traditionelleren“ Anbietern entsteht. All das wird durch reichlich Motivation und viel Arbeit erreicht.

Nachteile

Die Hohe Motivation, die durch viele „pep talks“ versucht wird aufrecht zu erhalten, kann auf Dauer nicht über das Arbeitspensum hinwegtäuschen. Burnout ist häufig die Konsequenz: Wer so viel Zeit und Energie in ein Projekt hineinpumpt, der brennt irgendwann auch einmal aus, wenn er nicht rechtzeitig wächst oder wachsen kann.

Die Nutzung der neuesten Technologien hat den Nachteil, dass diese noch nicht so ausgereift sind wie etablierte Technologien. Häufig geht auch hier das sogenannte Not-invented-here-Syndrom einher, bei dem bestehende Arbeitsweisen und Technologien ignoriert werden, da sie nicht im eigenen Haus entwickelt wurden. Dadurch wird das Rad ständig neu erfunden, was Energie, Zeit und Geld kostet.

Der größte Nachteil der selten erkannt wird, ist der faktische Mangel an Expertise. Den Gründern fehlt es häufig einfach an Wissen über Buchhaltung, Marketing, Kundenakquise und Weiteres. Sie haben eine mehr oder minder gute Idee mit der sie eine Marktlücke füllen wollen. Ihre Fähigkeiten beschränken sich zumeist ausschließlich auf die praktische Umsetzung dieser Idee. Alles andere ist mangelhaft aber notwendig für das Wachstum des Unternehmens.

Organizational life cycle

Schaut man sich den „organizational life cycle“ (nach Lester, Parnell, & Carraher, 2003) an, dann stehen Startups auf Stufe zwei von fünf:

  1. Existenz (existence) – Die Geburtsstunde des Unternehmens. Einer oder wenige Gründer versuchen ihren Weg zu finden und genügend Kunden zu akquirieren.
  2. Überleben (survival) – Hier geht es darum zu wachsen und geschäftsfähig zu bleiben. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
  3. Erfolg (success) – Das Erwachsenenalter eines Unternehmens. Strukturen und formale Prozeduren haben sich eingebürgert. Es wird weniger versucht Neues zu entwickeln sondern mehr, Bestehendes zu erhalten.
  4. Erneuerung (renewal) – Hier herrscht die Sehnsucht nach schlankeren Zeiten, als das Unternehmen noch beweglicher war. Es geht um die Erneuerung innerhalb der bestehenden Strukturen.
  5. Verfall (decline) – Unternehmen können bei jeder Stufe untergehen aber diese hier ist geprägt von Politik und Macht. Persönliche Ziele übertrumpfen die Ziele des Unternehmens.

Startups haben ihre Vorteile und erwachsene Unternehmen können diese in einer bestimmten Form auch für sich nutzbar machen. Eingangs erwähnte ich Entrepreneurship und wie sich dieses meines Erachtens nach von Startup-Mentalität unterscheidet. Der Fachbegriff für das Entrepreneurship innerhalb Unternehmens nennt sich „Intrapreneurship“. Während Startups noch versuchen zu überleben, sind erwachsene Unternehmen bereits erfolgreich und streben langsam nach einer Erneuerung. Von Intrapreneurship können Unternehmen wie Möbel Rieger oder auch Protel stark profitieren. Eine Revitalisierung des Geschäfts von Innen heraus. Apple ist hierfür das Paradebeispiel.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s