Effiziente Benotung

Wie ich es in meinem Beitrag zu Lehrern und digitalen Technologien erwähnte, möchte ich nun zwei Methoden vorstellen wie Lehrerinnen und Lehrer (nachfolgend „Lehrer“) die schriftliche und mündliche Benotung effizienter und somit einen großen Teil ihrer Arbeit, wesentlich einfacher gestalten können. Darüber hinaus möchte ich auf das elektronische Bewertungsraster Berlins aufmerksam machen.

IGAMI

Ausgeschrieben klingt es recht esoterisch: „Ich glaube an meine Intuition“. Es ist aber ein strukturiertes Vorgehen, mit denen man viele Abitur-Klausuren (oder andere Abschlussklausuren) effizient benoten kann. Anstatt auf wortgenaue Korrektheit abzuzielen, basiert diese Methode auf der Erfahrung von Lehrern, schnell eine korrekte Einschätzung der Leistung über vorher festgehaltene Qualitätsmerkmale zu treffen und diese mit kurzen und konkreten Kommentaren festzuhalten, ohne lange bei an einzelnen Details zu verweilen. Anstatt sich lange mit der Korrektur einzelner Details aufzuhalten, die dem Schüler bei Abschlussklausuren nicht weiter helfen, wird sich bei dieser Methode auf das Wesentliche konzentriert.

 

ICE

Während IGAMI bei schriftlichen Noten Anwendung findet, ist ICE zum Vergeben mündlicher Noten gedacht (ICE ist kein Kürzel, sondern bezieht sich auf den gleichnamigen Zug). Hier werden im Wochentakt schnell, mündliche Noten in eine Tabelle eingetragen. Anstatt das man sich am Ende eines Halbjahres Gedanken über die mündliche Note eines Schülers macht, mittelt man einfach über die Wochen und hat damit eine objektivere Einschätzung. Wenn man 15 mal das Gefühl hatte, der Schüler bekommt eine 3, dann wird es am Ende nicht doch eine 2 oder 4 werden.

 

Wie viele Methoden in der Pädagogik wurden auch diese beiden nicht auf ihre tatsächliche Wirksamkeit überprüft. Hier überzeugt die Effizienz (Qualität der Leistung pro Zeiteinheit) der Methoden für die etwas Effektivität (Qualität der Leistung) geopfert wird. Die Überlegung bei beiden Methoden ist, dass man nicht viel Zeit in die Vergabe weniger Noten investiert, sondern wenig Zeit in die Vergabe vieler Noten. Hier liegt die Annahme zugrunde, dass sich durch längere Begutachtungszeit die Qualität der Begutachtung nicht wesentlich erhöht.
Bei IGAMI vertraut man auf die Erfahrung der Lehrer, welche meines Erachtens nach, nach 3 Jahren im Beruf vorhanden ist. Die Genauigkeit einer schriftlichen Benotung wird durch wortgenaue Detailbesessenheit nicht besser: Es wird Zeit investiert in genaue Rückmeldungen die dem Schüler nicht zugute kommen und durch exaktes Vorgehen werden so viele weitere positive wie auch negative Punkte gefunden, die sich die Waage halten und letztlich doch nichts an der Note ändern. Lehrer sind erstaunlich gut darin, Leistungen einzuschätzen. Sie machen das täglich, jahrelang, mit Hunderten von Schülern.
Bei ICE wird eine eventuelle Ungenauigkeit einer einzelnen Begutachtung durch die Häufigkeit der Begutachtungen ausgeglichen. Auch wenn man wöchentlich nach Gefühl schnelle Noten vergibt, ist die gemittelte Note wesentlich objektiver als die Note, die man dem Schüler am Ende des Halbjahres gegeben hätte. Hier spielen „Primacy-Recency-Effekte“ eine Rolle.

Elektronisches Bewertungsraster

In Berlin gibt es in der Form des elektronischen Bewertungsrasters, eine digitale Technologie, welche Lehrern die Benotung nicht nur erleichtert sondern diese auch objektiver gestaltet. Das hat das Potential eine wirklich gute und nützliche Webseite für Lehrer in ganz Deutschland zu werden. Die Idee des Bewertungsrasters hat mich so begeistert, dass ich Andreas Stoch, dem damaligen Minister für Kultus, Jugend und Sport an den von Baden-Württemberg, schrieb. Einerseits lobe ich darin die Webseite und die soweit gelungene Umsetzung der Idee und andererseits spreche ich den Wunsch und den Notwendigkeit einer solchen Webseite in Baden-Württemberg und letztlich, ganz Deutschland aus. Das Ministerium bedankte sich für meine Anregung und hat diese an die betreffenden Fachreferate weitergeleitet.
Ob und inwieweit diese Idee verfolgt wird, ist natürlich eine Frage die von reichlich verschiedenen Faktoren abhängt. Allen voran Geld und den entsprechenden Verantwortlichen mit den nötigen, medialen Kompetenzen. Ich erwarte nicht, dass sich hier etwas von heute auf morgen ändert. Ich erwarte aber, zumindest ein paar Gedanken angestoßen zu haben.

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