Hotelsoftware

Als ich mit meiner Frau neulich Weimar besuchte, ist mir in unserem Hotel erstmals etwas bewusst geworden: Ich habe mir noch keine Gedanken über Hotelsoftware gemacht.

Ich habe mich nun ein wenig damit auseinandergesetzt und am Ende dieses Beitrages werde ich zwei Programme vorstellen, die auf mich einen guten Eindruck machen. Erstaunlich, wie viele unterschiedliche Anbieter es hier gibt und ebenso erstaunlich, wie wenige Menschen mit technischem Verständnis etwas darüber geschrieben haben.

Es gibt reichlich branchenspezifische Software, mit der ein gewöhnlicher Benutzer rein gar nichts zu tun hat. Man kann nicht einmal zufällig darüber stolpern, weil es so auf die Anforderungen einer Branche zugeschnitten ist. In diesem Fall das Management eines Hotels: Viele Zimmer müssen verwaltet werden, es gibt Reservierungen und Rechnungen, Reinigungspersonal und Parkplätze. Dazu kommen noch zig andere Details derer man sich bewusst wird, wenn man sich mit der Materie auseinandersetzt. Und wenn die Software gut ist, dann gibt es auch eine Schnittstelle zur eigenen Webseite und Schnittstellen zu populären Preisvergleichsseiten. Ein „property management system“ bei dem das Customer-Relationship-Management nicht zu kurz kommen sollte.

Eine einfache Suche nach „hotelsoftware“ zeigt, wie viele unterschiedliche Anbieter und Programme es in dieser Branche gibt. Die Qualität der verschiedenen Programme kann ich im Detail nicht erfassen aber die Qualität einer Webseite ist ein starker Indikator für die Qualität eines angebotenen Produkts. Einige Programme machen den Eindruck, als wären sie noch zu Windows 95 Zeiten geschrieben worden. Aktuelle Webtechnologien und Schnittstellen zu gängigen Programmen und Webseiten scheint es bei vielen nicht zu geben. Vielleicht ist der Funktionsumfang nützlicher als vermutet aber aufgrund des veralteten Aussehens des Programms, einschließlich der Webseite, habe ich starke Zweifel daran.

Wer eine Webseite nicht aktuell halten kann, der kann auch kein Programm aktuell halten.

Ich möchte kein Unternehmen bloßstellen, vor allem nicht, wenn ich die Softwarequalität nicht beurteilt habe. Wer möchte kann sich selbst einen Eindruck bei den Suchergebnissen machen.

Einige Webseiten sehen wirklich furchtbar aus und würde ich ein Hotel zum Thema Hotelsoftware beraten, würde ich einen großen Bogen um diese Programme machen. Viele dieser „Dinosaurier“ existieren nur, weil Hotels vor einigen Jahren in diese Systeme investierten, ohne einen Vergleich verschiedener Systeme anzustellen oder auch aus Ermangelung an lokaler Alternativen. Nicht nur das neue Systeme Zeit, Energie und Geld kosten, Menschen nehmen generell nur ungern Änderungen in ihrem Leben vor, sie versuchen den status quo zu erhalten.

Würde man dies überwinden, würde sich auch hier aktuelle Software auszahlen, natürlich nachdem sich die Anschaffungskosten amortisiert haben. Sie bringt Funktionen mit, die dem Hotelier das Leben mit zahlreichen automatischen Vorgängen und Verknüpfungen zu weiteren Programmen erleichtert.

Eine wirklich gute Webseite bei den Hotelsoftwareanbietern habe ich nicht gefunden aber es gibt ordentlich gestaltete Webseiten mit Programmen, die eine gute Aufmachung haben. Hier sind die zwei Programme/Unternehmen, die auf mich einen guten Eindruck machen.

Sirvoy

Sirvoy  versucht die Hotelsoftware ein wenig aufzuwirbeln, wie es scheint (ihre Webseite erinnert stark an die frühere Webseite von Basecamp, nur wesentlich textlastiger). Sie bauen auf verständliches Informationsdesign und aktuelle Webtechnologien auf mit einer Cloud-basierten Lösung. Ihre größte Stärke ist auch gleichzeitig ihre größte Schwäche:

Überall verfügbare, gut gestaltete Webtechnologien, gibt es nur im Internet.

Fällt die Internetverbindung aus, gibt es ein Problem. Der einfache und verständliche Aufbau der Software ist hier ein sehr starkes Plus. Der Funktionsumfang eines Programms kann noch so groß sein, wenn man es nicht oder nur schwer bedienen kann, wird es sich nicht etablieren oder halten können. Das Unternehmen hat sich hier sehr viel Mühe gemacht, was bei der „usability“ sichtbar wird.

Protel

Protel ist ein klassisches Softwareunternehmen welches aber mit der Zeit zu gehen scheint. Dies war die Hotelsoftware die ich eingangs in Weimar gesehen haben. Die Webseite Bedarf einer Überholung, da die Menüstruktur unklar ist, viel furchtbare „stock photos“ verwendet werden und daneben alles auch sehr textlastig ist. Das Unternehmen versucht ihr Angebot auf mobile Hardware wie Tablets oder Smartphones zu erweitern (leider nur Apple bisher). Die protel Hotelsoftware GmbH hat sich 1994 gegründet, also lange vor der Dominanz des Internets und dem leistungsfähigem Einsatz von Webtechnologien. Die Ausweitung der Verfügbarkeit des Produkts auf mobile Geräte ist daher besonders löblich. Hier ziehe ich einen Vergleich zu Möbel Rieger, welcher auch lange auf dem Markt ist und aktiv daran arbeitet, weiterhin auf dem Markt zu bleiben. Wie gut das gelingt, ist eine andere Frage aber der erste Schritt ist eine Veränderung/Entwicklung einzuleiten der von einem zweiten, schwereren Schritt gefolgt wird:

Die Veränderung/Entwicklung aufrecht zu erhalten und nicht in den alten status quo zurückzufallen.

Protel hat augenscheinlich keine so gebrauchstaugliche Benutzeroberfläche bringt jedoch den Vorteil, dass sie auch eine Server-basierte Lösung anbieten: Fällt das Internet aus, funktioniert das System weiterhin einwandfrei. Eine Cloud-basierte Lösung wie Sirvoy wird von Protel auch angeboten, reicht aber vom Komfort und verständlichen Design der Bedienung nicht heran.

 

Es ist schwer zu sagen, wer hier die Nase vorne hat. Während Sirvoy mit der durchdachten Simplizität der Bedienung überzeugt, ist es auf eine bestehende Internetverbindung angewiesen. Protel hat eine Server-basierte Lösung aber die Software ist über die Jahre gewachsen und kann die Art und Weise wie sie bedient wird, nicht ohne weiteres ändern. Die Nutzer erwarten, dass sich die Bedienung von Version zu Version nur minimal verändert. Es würde Beschwerden hageln, wenn Protel plötzlich die Bedienung radikal umgestalten würde und wenn es tatsächlich zum Besseren wäre. Hier würden sie stark von gutem – d. h. psychologisch fundiertem – „change management“ profitieren.
Letztlich kann Sirvoy durchaus moderne Webtechnologien einsetzen und ebenfalls offline verfügbar sein: Fällt die Internetverbindung aus, werden die Daten lokal gespeichert und bei einer bestehenden Verbindung wieder synchronisiert. Dies ist fehlerfrei leider nicht trivial zu lösen.
Protel bietet bereits eine Cloud-basierte Lösung an, auch wenn noch nicht optimal. Das lange bestehende Unternehmen hat durch seine Masse eine gewisse Stabilität aber auch Trägheit gewonnen. Es fällt ihnen schwer aus den eingefahrenen Mustern auszubrechen und verbesserte Möglichkeiten der Bedienung einzuführen.

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