Naturwissenschaft Psychologie

Jüngst hatten wir zum 15jährigen Bestehen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien einen Tag der offenen Tür. Dort hatte auch unsere Arbeitsgruppe einen Versuch aufgebaut in dem die Prinzipien psychologischen Arbeitens auf eine vereinfachte Art und Weise dargestellt wurden.

Es war ein einfaches Szenario mit bunten Bällen die aus Kisten gezogen wurden. Es ging darum zu zeigen, dass Psychologen häufig zwei Vorgehensweisen miteinander vergleichen um ein Urteil darüber zu fällen, welche „besser“ ist. In diesem Fall war „besser“ tatsächlich als eine bessere Schulnote definiert und in unserem fiktiven Experiment verglichen wir das Lernen mit klassischen Lehrbüchern mit dem Lernen mit einem Lernprogramm auf einem Tablet.

Die Besucher sollten sich vorstellen, dass jeder blind aus den beiden Kisten gezogene Ball einem getesteten Schüler entspricht. Ist der Ball blau, hat der Schüler seine Note verbessert, ist der Ball rot, hat er seine Note nicht verbessert. Die Besucher durften nun „Schüler testen“ bis sie zu einem aussagekräftigen Urteil über die Überlegenheit einer Methode gekommen sind. Das Vorgehen war hier stark vereinfacht: Natürlich darf man in der Wissenschaft nicht einfach so lange testen, bis man zu einem gewünschten Ergebnis kommt. Man verwendet sogenannte Poweranalysen um vorher die Anzahl der zu testenden Schüler, oder Angestellten, oder Unternehmen zu definieren.

Die Kugeln waren so von uns auf die Kisten verteilt worden, dass eine Vorgehensweise tatsächlich mit 60 von 100 Kugeln, die bessere war. In der anderen Kiste war es genau umgekehrt, dort waren nur 40 Kugeln blau dafür 60 Kugeln rot. Für uns war es irrelevant ob die Besucher nun die richtige Vorgehensweise finden oder nicht. Zwei wissenschaftliche Tatsachen wollten wir damit verdeutlichen.

  1. Untersuchungen kosten Zeit, Energie und Geld. Jede weitere untersuchte Person oder Entität ist mit Aufwand verbunden. Vereinfacht kann man sagen, dass je mehr getestet wird, desto zuverlässiger und eindeutiger ist das Ergebnis. Der Kosten-Nutzen-Faktor muss von Psychologen auf jeden Fall miteinbezogen werden, da nur begrenzte Mittel vorhanden sind.
  2. In unserem Szenario war es so, dass tatsächlich das Lernen mit Lehrbüchern besser abgeschnitten hat. Wir forschen am Leibniz-Institut für Wissensmedien hauptsächlich am förderlichen Einsatz von Medien, in formellen oder informellen Situationen, im privaten, schulischen oder unternehmerischen Kontext. Wir wollten verdeutlichen, dass auch wenn unsere Präferenzen auf der medialen Unterstützung des Lernens liegen, wir uns die Ergebnisse nicht aussuchen können. Ist, wie in diesem Beispiel, eine nicht-mediale Unterstützung des Lernens einem medial unterstütztem Lernen überlegen, dann akzeptieren wir das. Der nächste Schritt ist dann zu fragen, warum.

 

Damit unsere Besucher auch etwas mitnehmen konnten, habe ich schnell einen kleinen Flyer mit ein paar wesentlichen Eckpunkten erstellt. Das meiste davon gilt nicht nur für die Psychologie im spezifischen, sondern für die Wissenschaft im generellen.

  • Die Psychologie ist die Naturwissenschaft des Erlebens und Verhaltens des Menschen
  • Erleben (Gefühle und Gedanken) und Verhalten lassen sich nicht so einfach messen
  • Die Konzeption, Planung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation von Studien kostet viel Energie, Zeit und Geld
  • Eine umfangreiche Stichprobe (viele verschiedene Versuchspersonen) ist wünschenswert, aber ist aufwendiger, dauert länger und ist teurer
  • Man muss vorher wissen, wie umfangreich die Stichprobe sein sollte, um trotzdem zuverlässige Ergebnisse zu bekommen
  • In der Wissenschaft geht es nicht darum, die eigenen Wunschvorstellungen zu bestätigen (z. B. ein Lernprogramm führt immer zu besseren Noten als Lehrbücher)
  • In der Wissenschaft geht es darum, möglichst gut die Wahrheit darzustellen, auch wenn man sie sich anders vorgestellt hat
  • „Die Wissenschaft“ gibt es nicht, es ist nur eine Sammlung von Methoden, die Wahrheit aufzudecken

 

(Daniel Wessel, ein ehemaliger Kollege, hat die Psychologie ein wenig ausführlicher beschrieben.)

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