Möbel Rieger: Ein kurzes Gutachten über den Einsatz digitaler Technologien

Möbel Rieger werden nicht alle hier kennen: Sie haben nur sechs Filialen in Deutschland sind aber ein Möbel-Vollsortimenter und verkaufen so ziemlich alles an Einrichtungsgegenständen. Sie sind kein Ikea und auch nicht so groß und bekannt wie andere Möbelhäuser mit teilweise kleinerem Sortiment in Deutschland (Poco Domäne, XXXL, Höffner, Dänisches Bettenlager) trotzdem möchte ich hier etwas über dieses Familienunternehmen schreiben, da ich noch viel Potential in Möbel Rieger sehe, was bisher noch nicht ausgeschöpft worden ist.

Als ich vor Kurzem in dem Möbel Rieger Reutlingen war, war ich sehr erstaunt, als ein Produkt nachbestellt werden musste und ich mich entscheiden konnte, wie ich über dessen Ankunft informiert werden möchte. Vermutlich hatte ich die Option telefonisch informiert zu werden, aber ich bin etwas verhalten, meine Telefonnummer herauszugeben und dann irgendwann von einem Fachangestellten angerufen zu werden. Die einzige weitere Option war der postalische Weg.

Ich konnte nicht per E-Mail informiert werden.

Intern lief dort ein altes Warenwirtschaftssystem, was sicherlich viele Jahre gute Dienste geleistet hat, aber es war darin einfach nicht vorgesehen, unmittelbar bei Lieferung eines nachbestellten Artikels, den Kunden per E-Mail zu informieren. In diesem System musste irgendwo ein Marker gesetzt werden um bei Ankunft meines bestellten Artikels einen Brief für mich zu drucken und über die Post an mich zu senden. Tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass dort vielleicht jemand manuell diese Liste an Bestellungen durchgehen muss und dann jeden einzelnen Brief selbst ausdruckt und verschickt. Dieses interne System auszutauschen ist mit sehr großem Aufwand verbunden und daher kann ich es verstehen, wenn man sich erst so spät wie möglich davon trennen möchte. Leider ist dieses System nicht mehr aktuell und andere Möbelhäuser haben zum Thema moderne Warenwirtschaftsysteme sowie Internetpräsenz  und Apps, die Nase weit vorne, allen voran Ikea und nicht zu verachten, der „Otto Katalog“ (dazu demnächst ein Beitrag). Im hohen Grade vernetzte einzelne Systeme die viele Routineaufgaben automatisch übernehmen wie z. B. den Kunden per E-Mail über eine Bestellung informieren oder auch einfach nur online die Verfügbarkeit eines Produkts im Lager anzeigen.

Möbel Rieger verfügt über eine Webseite und darüber hinaus gibt es einen YouTube Channel, sie haben einen eigenen Blog den sie „Magazin“ nennen und natürlich einen Facebook-Account. Ich gehe kurz auf die Schwierigkeiten dieser Internetpräsenzen ein.

Webseite

Die Webseite von Möbel Rieger macht auf den ersten Eindruck was her. Die Webseite ist frisch, sie sieht weitgehend aktuell aus und verwendet augenscheinlich auch aktuelle Webtechnologien. Leider ist sie sehr ungünstig strukturiert und zudem sehr unruhig mit den ganzen Menüs und Bildern die sich aufklappen, wenn man mit dem Zeiger über ein Element geht („mouseover“). Die Startseite besteht zum größten Teil aus einem großen Bild und keinen Produkten. Das Bild führt entweder zu Produkten oder zu einer Produktkategorie und erst nach einem weiteren Klick zu Produkten. Dafür, dass Möbel Rieger Waren verkaufen möchte, sind diese ziemlich weit hinter der Startseite versteckt. Und was die Darstellung der Verfügbarkeit eines Produkts auf Lager angeht, wie man es von Ikea kennt, gibt es nur einen „Jetzt direkt anfragen“-Link, der mich zu diesem Formular führt:

formrieger

Ich weiß nicht was in Bewegung gesetzt wird, wenn man dieses Formular ausfüllt.

Ikea hat auch ein großes Bild auf der Startseite jedoch sind dort direkt Produkte darauf verlinkt und weitere Produkte sind auf jeder weiteren Seite zu finden, auch ohne Umwege über Produktkategorien. Möbel Rieger hat bereits Investitionen getätigt eine Webseite aufzubauen, diese kann auch ohne tiefgreifende Veränderungen an zugrunde liegenden Systemen wesentlich besser, verständlicher und vor allem gewinnbringender gestaltet werden.

YouTube

Den YouTube-Channel kann sich Möbel Rieger sparen. Vor einem Jahr haben sie für 8 Monate eine bunte Mischung an Videos hochgeladen und es dann vorerst aufgegeben. Wenn man nicht regelmäßig nützliche oder interessante Videos anbietet, dann kann man sich einen Channel bei YouTube sparen. Solche „Account-Leichen“ machen einen schlechten Eindruck. Hier könnten sie durchaus auch interessante Videos hochladen. Sie müssten sich nur ein wiederkehrendes Format einfallen lassen und regelmäßig frische Videos produzieren. Im Ansatz haben sie das schon versucht mit „Möbel Rieger Wohntrends“, aber es nicht durchgezogen und nicht nach einem einheitlichen Schema strukturiert (z. B. 3 Minuten lang, erst kurze Einführung, dann verschiedene Produkte im Möbelhaus vorgestellt mit eingeblendeten Links zu tatsächlich diesen Produkten, Abschließende Worte).

Wie alle Internetpräsenzen, kostet diese auch Zeit, Energie und Geld. Wenn man sie möchte, muss man sich um sie kümmern. Es ist keine einmalige Investition.

Blog

Versteckt in der Menüleiste auf der Webseite befindet sich das „Magazin“ von Möbel Rieger. In vier Kategorien wird in junger Schreibweise, duzend über dieses und jenes im Zusammenhang mit Einrichtungsgegenständen geschrieben. Es hat Potential, wenn man wirklich „original content“ generiert, der in der Expertise von Möbel Rieger liegt und für die intendierte Zielgruppe interessant und relevant ist. Momentan macht dieser Blog leider den Eindruck einer ausformulierten Werbung neben spärlichen neuen Informationen, die man detaillierter und mit mehr Vertrauen in den Wahrheitsgehalt von anderen Quellen bezieht z. B. die richtige Pflege von Holz.

Was ich jetzt schon als schlechte Idee bezeichnen kann ist „Henrie“. Henrie Home scheint eine groteske Keramikfigur zu sein (oder ein digitales 3D-Modell) welche freundschaftlich über Einrichtungsgegenstände schreibt. Im Grunde ist diese Kategorie nicht anders als die restlichen außer dass es hier einen Adressanten gibt. Ein echter Mensch, ein tatsächlicher Mitarbeiter von Möbel Rieger würde dem ganzen etwas Leben und Glaubwürdigkeit verschaffen. Natürlich nur, wenn wie im letzten Absatz beschrieben, der Inhalt stimmt und auch von dieser Person verfasst wurde. Ein „stock photo“ kann man sich hier sparen.

Facebook

Der Facebook-Account von Möbel Rieger spricht eine ähnliche Sprache wie der Blog aber eine andere als die Filialen von Möbel Rieger selbst oder ihre Postwurfsendungen. Die Produkte, die Filialen und die Prospekte sprechen eher ein Publikum mittleren Alters an: Durchschnittliche Einrichtung für den durchschnittlichen Deutschen. Rein statistisch sind das 68,3% der Bevölkerung, also reichlich potentielle Kundschaft. Eine große Zielgruppe die aufgrund ihres Alters über eine höhere Kaufkraft verfügt. Möbel Rieger denkt aber auch an die Kunden von morgen, daher müssen sie auch eine jüngere Zielgruppe erreichen.

Während der Blog noch eher zurückhaltend jung und frisch erscheinen möchte, hat die Facebook-Seite fast schon Teenie-Charakter. Wohlgemerkt, die Seite wird ordentlich gepflegt! Auf die Qualität und psychologische Wirkung der einzelnen Inhalte gehe ich hier nicht ein.

Wenn die Facebook-Seite tatsächlich junge Menschen erreicht (die paar die sich noch bei Facebook tummeln) und sie anspricht, werden diese sich spätestens auf der Webseite oder vor der Filiale selbst wundern, wieso dieser bieder erscheinende Laden überhaupt nicht zu dem auf Facebook suggerierten Bild passt. Erwartungen werden erzeugt aber dann nicht eingehalten. Enttäuschte Menschen.

 

Möbel Rieger scheint gemerkt zu haben, dass sie im Punkte digitale Technologien aufholen müssen und jetzt machen sie einfach alles, was man halt so macht: Blog, YouTube, Facebook. Einen Twitter-Account haben sie noch nicht. Leider ist das alles nur oberflächlich, halbherzig und uneinheitlich durchgeführt. Das Unternehmen kann sich seit 66 Jahren auf dem Markt halten, sie haben schon viele Veränderungen erfolgreich eingeführt. Hier steckt noch so viel Potential zur Verbesserung was den Einsatz digitaler Technologien angeht. Das ist auch nur wieder eine Wandlung, wie sie Möbel Rieger in den vergangenen Jahren schon mehrfach durchgemacht hat.

Interessanterweise gehört Küchen Arena ebenfalls zu Möbel Rieger, wird jedoch digital sehr stiefmütterlich behandelt. Ich würde sie auch in „Küchen Rieger“ umbenennen und mit dem entsprechenden „corporate design“ von Möble Rieger versehen. Ein großes Unternehmen, ein einheitliches Image, eine einheitliche Sprache.

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