Freitag, 28. September 2007...23:07
Frankreich: Ein Reisebericht
Es ist bereits über eine Woche her, sogar zwei, das wir aus Frankreich zurück sind und ich habe immer noch nicht darüber geschrieben. Ich weiß auch nicht, ob ich überhaupt erwähnt hatte, dass Thea, Christian U. und ich nach Frankreich fahren wollten.
Bevor nun die Erinnerungen daran verblassen und uns nur noch Christians Fotos an vieles erinnern werden können, versuche ich möglichst viel, oder soviel wie ich Lust habe, niederzuschreiben.
1. Tag - Sonntag, 2. September
Aufgestanden um 9 oder 10 Uhr, ist aber auch nicht so wichtig. Thea und ich trafen noch die letzten Vorbereitungen für die Fahrt, ehe der Christian mit dem Auto auftauchen würde und wir den Wagen beladen könnten. Auftritt Christian. Während Thea noch nahrhaften und wohlschmeckenden Proviant zubereitete, packten Christian und ich das ganze Zeug ins Auto. Passte fast alles in den Kofferraum … bis auf das Zeug, dass die Hälfte der Rückbank belegte.
~12 Uhr, los ging die Fahrt. Christian fuhr fast die gesamte Strecke nach Frankreich. Nach Stunden in Belgien angekommen und erst einmal gestaunt über die Schönheit der Brücken und beleuchteten Straßen, nach dem Grenzübergang. Gut, die Straßen waren halbwegs okay, aber die Brücken waren mehr als baufällig.
In Frankreich angekommen, begann der lustige Teil der Hinfahrt. Benutzt niemals Google Maps um eine Route ins Ausland zu planen! Irgendwann stand in der ausgedruckten Route nur noch: “Kreisverkehr, dritte Ausfahrt, Rue de Woschtfett 5 km folgen.” Man konnte leider nicht immer die Straßennamen lokalisieren und fragte sich, ob das nun der richtige Kreisverkehr und ob das dann auch die dritte Ausfahrt ist. Damit hätten wir noch leben können, wenn wenigstens die Ortsnamen in der Route gestanden hätten, aber Google Maps beschränkte sich nur auf die sehr wagen Angaben ohne Orte.
Wieso fuhren wir nicht über die Autobahn Richtung Le Havre, was unser primäres Ziel war? Das Zauberwort lautet “Péage”. In Frankreich gibt es kostenpflichtige Autobahnen und diese wollten wir vermeiden. Nach einer Weile, nachdem wir den ausgedruckten Weg endgültig verlassen hatten, stellten wir fest, das nicht alle Autobahnen in Frankreich eine Maut verlangen. Sobald wir auf einem Schild Péage standen sahen, verliesen wir die Spur/Autobahn und versuchten unser Glück wieder über die gewöhnlichen Straßen.
Vor der Abfahrt kaufte Thea noch einen Frankreich Touristenführer, der auch eine Landkarte enthielt. Während der Fahrt ohne ordentliche Route bemerkten wir, dass die Karte nicht sonderlich detailliert war. Ein Vergleich: Als nächster Ort zu Gießen stände Marburg.
Wir schafften es ans Meer und an die Atlantikküste, wo wir an einem Steinstrand hielten und frolockten. Es war schon spät und wir brauchten einen Campingplatz, da diese komfortabler sind als wild zu Campen, wovon Thea auch gar nicht angetan war. Mittlerweile wurde ich der Fahrer und durfte einen Campingplatz anfahren (das Spiel wiederholte sich die kommenden Tage in Frankreich) und so um 21 Uhr fanden wir auch einen direkt am Strand. Der Ort hieß Ault . (Wenn man das Satellitenbild vergrößert, kann man sogar den Campingplatz sehen.-)
Es war ultra windig und als die Zelte endlich standen, konnten wir schlafen. Christian hatte sein Zelt, Thea und ich hatten unseres, was etwas größer war und dem Wind viel mehr Angriffsfläche bot. Ich konnte halbwegs ordentlich schlafen, obwohl sich das Zelt unter dem Wind so nach innen wölbte, das es auf uns lag. Thea konnte dabei gar nicht gut schlafen.
2. Tag - Montag, 3. September
Am morgen bin ich zum Häuschen gegangen, welches vergangene Nacht zu war und bezahlte für unseren Aufenthalt. Wir liefen etwas am Strand entlang und wollten danach den Platz verlassen um einen Supermarché aufzusuchen und uns die Steilküste anzusehen. Leider war das Häuschen dann nicht mehr besetzt und die Schranke unten.
Ohne eine andere Option, haben wir den Ort etwas erkundet bzw. einen Bäcker für Thea gesucht, welche über Hunger klagte. Wir fanden ein kleines Restaurant wo wir etwas aßen und gestärkt zur Steilküste gingen, welche im selben Ort war.
Die Steilküste war toll. Erst sind wir oben rauf gelaufen um runter zu sehen und danach schauten wir uns das selbe von unten an. Thea entdeckte einen Haufen wuseliger Meerestierchen und Christian versunkene Schätze aus der Nazi-Zeit. Ich hab mit den Steinen gespielt.
Bei dieser Wanderung über Steine und Klippen hat sich Thea irgendwas in ihrem Knie verdreht, welches dadurch anfing, bei Steigungen weh zu tun; das war der Anfang ihrer schmerzlichen Fußwanderungen durch Frankreich, denn die Schmerzen würden nur noch schlimmer werden.
Als wir zurück waren und die Schranke immer noch unten, suchten wir einen Mitarbeiter von dort und wir fanden den Menschen, bei dem ich bezahlt hatte und dieser öffnete uns.
Dann konnten wir an der Küste entlang, weiter Richtung Le Havre fahren und nebenbei einen Supermarché aufsuchen.
Es war zwar geplant, das wir diesmal früher einen Campingplatz aufsuchen, aber es hat einfach nicht geklappt. Um etwa 18 Uhr haben wir angefangen einen zu suchen und es dauerte etwas über 2 Stunden, bis wir einen gefunden hatten.
Das war das schlimmste an diesem Urlaub: das ewige suchen nach Campingplatzen. Obwohl es in Frankreich wirklich viele davon gibt und diese auch ausgeschildert sind, waren wir nicht bereit, für 3 oder 4 Sterne Campingplätze zu bezahlen.
Es war der beste Campingplatz, den wir in Frankreich haben würden. Er war am Meer an einer Klippe, wir hatten links und rechts keine Nachbarn und in unmittelbarer Nähe die gepflegten Duschen und Toiletten, welche wir auch ausgiebig nutzen.
An diesem Abend hatte ich als Fahrer folgendes Problem:
Ich hatte Christian, welchem es egal ist, wo wir campen. Von ihm aus hätte wir auch eine Schranke mit “Zutritt Verboten”-Schild geöffnet und am Strand geschlafen.
Ich hatte Thea, für die wild Campen absolut nicht in Frage kam, da erstrangig, nicht legal und zweitrangig, keine sanitären Einrichtungen.
Es wurde so gelöst, dass Christian bei der Einfahrt zum Campingplatz nur für zwei Personen bezahlte und sich Thea auf der Rückbank verstecken musste. Davon war ich zwar nicht angetan, aber es funktionierte und wir hatten den tollsten Platz.
… Wie lang bin ich um dieses schreckliche Ancretteville-sur-Mer gefahren!
3. Tag - Dienstag, 4. September
Soweit ich mich erinnern kann, sind an dem Tag nach Rouen gefahren, da wir bereits lang genug an der Küste waren. Wir haben im McDonalds gegessen und unn Kathedralen von außen angesehen, bis zwei davon offen hatten und wir rein gehen konnten. Eine davon war Kathedrale Notre-Dame von Rouen, in der ich eine Kerze für meine Oma angezündet habe.
In Rouen fanden wir auf Postkarten unser nächstes Ziel: Étretat. Vorher mussten wir erneut in den Supermarché (lang lebe koffeinfreie Coca Cola, welche es literweise in Frankreich gibt.-) und dann wieder einen Campingplatz finden. Vorher machten wir einen Halt in Fécamp und schauten uns den Ort und das Äquvalent zum Seltersweg an.
Es hat erneut ewig gedauert einen Platz zu finden und wir fanden auch einen eher schäbigen. Er war nicht schlimm aber von der Atmosphäre her, war es der schlechteste den wir hatten.
4. Tag - Mittwoch, 5. September
Étretat haben wir uns am morgen angesehen. Das war schön dort aber mittlerweile hatte Thea schon sehr starke Schmerzen und dort ging es nur bergauf oder bergab. Wie von allen Sehenswürdgkeiten hat Christian auch von dieser unzählige Fotos geschossen.
Nach dem schönen Étretat ging es ins noch viel schönere Le Havre. … Wir haben niemals Fuß gesetzt in Le Havre. Es sah aus wie die Weststadt, nur in groß. Christian M. hatte schon recht gehabt, das Le Havre eine Industriestadt ist und der Touristenführer hat auch nichts besseres versprochen.
Le Havre war die Hölle. Wir fanden die Innenstadt nicht und hatten auch keinen Bock weiter danach zu suchen. Nächstes Ziel wurde also Honfleur aber erst mussten wir über die Seine. Es gab eine schicke, große Brücke in Küstennähe, welche aber Geld kosten würde und wir entschieden, den Franzosen kein Geld in den Rachen zu werfen und sie zu umfahren.
… Leichter gesagt als getan. Wir fuhren Ewigkeiten im Kreis und immer wieder in Sackgassen. Straßen die nach langer langer Fahrt nur in einer Firma endetet, ohne Abzweigungsmöglichkeiten. Wir fuhren letztendlich etwa eine Stunde über zugewucherte Feldwege - nicht wie die Feldwege, die die Franzosen als Straßen benutzen, aber dazu später mehr - an einem vermeintlich schwulen Pärchen vorbei und einem ausgebrannten, verrosteten Autowrack, ehe wir - gottseidank - wieder auf einer gepflasterten Straße waren.
An dem Tag sind wir eigentlich nur durch Honfleur gefahren, das schreckliche Le Havre vergessend. Wir suchten diesmal wirklich früh einen Campingplatz und fanden auch einen: den teuersten der Reise. Zelte aufgebaut, Christian ging Laufen, Thea und ich einkaufen.
Für den nächsten Tag wurde Honfleur und danach Paris geplant. Uns ging das Geld aus, also beschlossen wir, die Reise am folgenden Tag nach Paris zu beenden. Dafür reichte das Geld noch.
5. Tag - Donnerstag, 6. September
Honfleur war auch sehr toll: ein idyllisches Fischerstädtchen. Man würde meinen, das in größeren Städte oder Touristenorten die Läden durchgehend geöffnet haben, aber dem ist nicht so. Selbst riesige Supermärkte machen zur Mittagszeit zu! Kleine Souvenir- und Schrottläden, welche von Touristen leben, erlauben es sich, in der Mittagszeit zu schließen.
2, 3 Stunden schauten wir uns Honfleur an, ehe Thea doch keine Crevettes mehr essen wollte, wir uns an einem ekligen Industriestrand mit Blick auf Le Havre vom Meer verabschiedeten und dann, nach einer ausgewogenen Mahlzeit im McDonalds, Richtung Paris fuhren.
Im Autobahnring - einem von zwei oder mehr - in Paris verkündete uns Thea die frohe Kunde, dass es für Paris einen eigenen Reiseführer gibt und daher unsere Karte von Frankreich sich nur auf besagte Autobahnringe beschränkte. Paris war so groß wie die Strecke von wie auch immer der Ort hieß von dem wir aus nach Rouen fuhren und Rouen, also sehr groß.
Ich dachte, vielleicht gibt es eine Karte in den Französisch-Lehrbüchern, die Thea mitgenommen hatte, aber im Grammatik-Buch waren kaum Bilder. Die selbe Idee hatte Thea auch, nur lag bei ihr ein Buch, in dem die Pariser Innenstadt, samt Straßennamen, abegdruckt war. Puh!
Wir fanden in einem Randbezirk im Boulevard Vincent Auriol einen kostenlosen Parkplatz. Die Gegend sah auch etwas danach aus, als ob Leute Geld bezahlen würden, dort nicht parken zu müssen. Es war kurz vor 20 Uhr und wir schafften es noch in einen Supermarché, welcher bis 21 Uhr offen hatte. Dort kaufte sich Christian Bier und gab draußen einem Clochard Feuer, welcher Christians Bier, nur in mild, trank.-)
Nachdem ein Fußmarsch zum Eiffelturm viel zu lang wäre und das auch niemand Thea zumuten wollte, nahmen wir die Metro. Zu einem günstigen Preis fuhren wir zum Eiffelturm. In der Metro wurde Christian von Amerikanerinnen aus der Hölle angesprochen. Weshalb die aus der Hölle kamen, weiß der Christian.
Nachdem wir an einem Chinesen mit Deutschland-Käppi vorbei liefen und viele Fotos unterm Eiffelturm machten, gingen wir rüber zur Plattform des Palais de Chaillot, von wo aus man einen schönen Blick auf den Turm hat. Um 22 Uhr genau, fing ein Blitzlichtgewitter am Turm an. Als es wieder aufgehört hat, liefen wir die Avenue Kléber rauf zum Place Charles de Gaulle, von wo aus wir die Avenue des Champs-Elysées betraten. (Ich schreibe die Straßen auf, weil ich grade selber Google Maps offen habe und den Weg mitverfolge.-) Dort besuchten wir einen Laden, der auch Nachts offen hatte und aßen zur Abwechslung mal in einem Quick. Übrigens ernährten wir uns nicht nur von Fast Food, sondern meistens von Baguette und Käse und allem was wir mitgebracht haben und auf dem Gaskocher verwerten konnten.
Frankreich bei Nacht war schön und obwohl der ursprüngliche Plan einmal so aussah, dass wir nach Paris fahren, dort irgendwo im Auto übernachten und uns dann am Tag Paris ansehen, traten wir doch noch am selben Tag die Rückfahrt an. Davon war ich nicht abgeneigt, ich hab genug Frankreich gesehen.
6. Tag - Freitag, 7. September
Immernoch in Paris. Nach einem langen Tag wurde es Zeit für die Rückfahrt. Es war kurz nach 0 Uhr, als ich losfuhr. Christian schlief auf dem Rücksitz und ich hatte Thea bei mir als Navigatorin und Unterhalterin. Ziel Nr. 1 war es, eine Tankstelle zu finden.
Nach einer Weile fahren, wurde es ziemlich eng mit dem Benzin und irgendwann fand sich auch endlich eine Tankstelle, in der man erst Bar bezahlen musste und dann tanken konnte. Wieder auf der kostenfreien Autobahn um Paris wurde es dann richtig richtig ätzend:
Es gab zwei benachbarte Orte, aus denen ich ums verrecken nicht rauskam! Wir sind zig mal im Kreis gefahren und immer wieder an den selben Stellen rausgekommen. Wir folgten den Schildern “Toutes Directiones”, diese führten uns aber nirgendwo hin.
Wie kamen wir überhaupt in diese Orte? Auf der Autobahn raus aus Paris Richtung Reims bzw. Metz stand Péage und keiner hatte Lust, Geld zu bezahlen.
So um 2 Uhr konnte ich dann nicht mehr so schnell von Nah- auf Fernsicht umschalten und das Fahren wurde sehr anstrengend. Ehe ich uns alle umbringen würde, hielt ich in einem Ort (in der Nähe von Disneyland.-) an einer Straße und schloss die Augen für etwa 2 Stunden.
Kurz nach 4 Uhr hab ich zwar fast gar nicht geschlafen, war aber wieder fitter, als Christian auch wieder wach war und Thea auch nicht länger halten wollte.
Ohne Hoffnung auf eine alternative Route nach Reims oder Metz, fuhren wir die Bezahl-Station der Autobahn an. Ich habe mit etwa 20 € gerechnet aber dann nannte die Frau uns den tatsächlichen Preis von 1,50 €. Hmm, die Zeit die wir durch die Pampa gegurkt sind hat uns weit mehr Benzin gekostet, als die Maut wert war.
Es war nicht die einzige Bezahl-Station auf der Autobahn, aber die anderen Preise waren auch nicht so wild. Nach einer Stunde fahren oder so, wurde es wieder zu anstrengend, die Sicht anzupassen und Christian übernahm für ein paar Stunden das Steuer, während ich hinten etwas schlief.
So um 10 Uhr rum, wechselten Christian und ich erneut die Plätze und ich fuhr uns das letzte Stück nach Deutschland. Aus Metz wieder rauskommen, wo ich für Thea Halt machte, da sie noch einmal in einer Boulangerie einkaufen wollte, wurde anstrengend, als plötzlich Saarbrücken nicht mehr ausgeschildert war sondern nur noch Strasbourg. Irgendwie kamen wir aber doch noch auf die richtige Autobahn und in Deutschland angekommen, fuhr Christian den restlichen Weg nach Gießen.
… Soviel zu unserem Urlaub in Frankreich.-) Halt, nein, noch eine leicht lustige Anekdote:
Kurz vor Deutschland machte Thea das Handschuhfach auf und entdeckte darin eine nagelneue, nie benutzte und detaillierte Karte von Frankreich.-) Wir haben uns so abgekämpft mit der groben Karte im Reiseführer und dem Französisch-Lehrbuch und in der Karte standen sogar mickrige Orte wie Villainville, Doudeville und Verengeville (Ferengi-Ville.-) drin, die wir auf der Suche nach Campingplätzen durchquerten. Wie schön.-)
Abschließend möchte ich noch über die Straßen in Frankreich erzählen. Was für uns Feldwege sind, also die geteerten oder wenigstens die mit Kieselsteinen, sind in Frankreich die normalen Straßen. Ich war sehr verwundert, als uns die Straßenschilder auf der Suche nach einem Campingplatz über Feldwege führten, welche Platz für ein Auto hatten.
Das es nicht so viel Platz gab, war aber egal, denn in Frankreich gibt es niemanden, Frankreich ist leer. Wenn man bei uns irgendwo zwischen zwei Dörfern fährt, kommen einem immer einige Autos entgegen, selbst um die unmenschlichste Zeit gibt es ein oder zwei. In Frankreich ist bereits Abends fast niemand mehr mit uns Auto gefahren und tagsüber waren es auch sehr sehr wenige. Bis auf die wirklich großen Großstädte, lief draußen auch kaum ein Mensch rum. Vielleicht liegt das daran, das es in Frankreich 64.102.140 Menschen gibt und somit 18.207.860 Menschen weniger als in Deutschland.
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